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Messerbräuche : Studien zur Rechtsgeschichte und Volkskunde
Entstehung
Seite
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22 Eberhard Freiherr von Künssberg:

Viel sicherer war die Beweisführung natürlich, wenn das Messerals memoriale cutellus 1an der Urkunde befestigt war, beziehungs-weise wenn die beweisende Urkunde mit dem Messer verbundenwar; das war ebenso gut wie eine entsprechende Inschrift amMesserheft. Tangl macht darauf aufmerksam, daß im Falle derbeiden Messer von Chartres die Messer erst auf den Altar gelegtworden waren und hinterher die Urkunden niedergeschrieben wur-den, sowie die Messer darangehängt.

§ 4. Erhaltene Stücke.

Erfreulicherweise ist es uns möglich, die urkundlichen Nach-richten über das Messer als Urkundssymbol zu ergänzen durchNachrichten über tatsächlich verwendete Messer. Ja, es sind sogareinzelne Stücke bis heute erhalten. An die Spitze unseres Berichtesmüssen wir unbedingt das berühmte Messer stellen, das aus demKirchenschatz der Notredame in Paris stammt und 1791 aus demUrkundenschrank dieser Kirche in die Bibliotheque Nationale kam.Es stammt aus dem elften Jahrhundert und hat auf seinem Elfen-beingriff folgende Inschrift in Hexametern:

Hie cultellus fuit Fulcheri de Bvulo per quem

Wido dedit areas Drogonis archidiaconi

ecclesie sanete Marie ante eandem ecclesiam sitas pro annicersario

matris sue.

Unsere Abbildung ist der Veröffentlichung von Robert de Laste y-rie 2 entnommen. Leider ist die Urkunde, die zu dem Messer ge-hörte, nicht erhalten. Im Kirchenschatz von Durham 3 befindensich zwei Urkunden aus der Mitte des zwölften Jahrhunderts, andenen je ein Messer hängt. Die beiden Stücke haben Form undGröße von Tischmessern und haben Horngriffe. Bei beiden ist dieKlinge abgebrochen und nur l 7 / 8 bzw. % englische Zoll der Klingeübrig. Der Griff des einen Messers ist beschriftet {Signum de capellade Lowic, de capella de Lowic de deeimis de Lowic totius curie ettotius ville), das andere nicht. Die Messer sind durch Pergament-

1 Tangl / Brunner-Festschrift 1910, S. 770; s. Abb. 1.

2 Robert de Lasteyrie, Notice sur un couteau du XI e siecle conserveä la Bibliotheque Nationale / Memoires de la Societe de l'histoire de Paris etde l'Ile-de-France 5 (1878), 3081t.

3 F. Wissmann, Förmlichkeiten bei den Landübertragungen in Englandwährend der anglonormannischen Periode / Archiv für Urkundenforschung 3(1911), 264.