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Michel Angelo durch Versprechungen und besänftigende "Worte umstimmen.Aber auch das half nichts bei dem Maler. Bis endlich, zwei Jahre später, diesereines Tages zur Erholung aus den Thoren von Florenz herausgieng und sich wievon uugefähr auf der Römerstraße befand. Und da es zu spät geworden war, umnach Florenz zurückzukehren, übernachtete er wo er sich gerade befand. AnderenTags aber kam ihn die Lust an, im Geheimen Rom zu betreten, und ebenso imStillen wieder davon zu gehen. Sobald der Papst jedoch vernahm, Michel Angelokomme, ließ er ihm in freudiger Ungeduld unvermerkt auf der "Wegreise bequemeUnterkunft zurichten und Reitknechte mussten ihm täglich vermelden, wo Jenerrastete. Ein befreundeter Sculptor aber musste ihm auf sein Geheiß, wie zufälligentgegen gehen; und als er ihn von ferne erblickte, stellte er sich, als betrachteer einen Baum, um jenen nicht misstrauisch zu machen. Als sie sich dannerkannt hatten, berathschlagten sie und beschlossen, zunächst im Belvedere zuverbleiben und erst bei Nacht die Stadt zu betreten. Und also thaten sie. DerPapst aber empfieng ihn dort ohne Groll, schloss ihn in seine Arme und sprachmehr als drei Stunden mit ihm, stehenden Fußes, ohne irgendwie die Malerei zuberühren, oder etwas das Jenem beschwerlich fallen konnte, ihn auf die herz-lichste Weise bewillkommnend, was Papst Clemens sonst Niemanden leichtlichanthat. Und von da an verblieb Meister Michel Angelo bis jetzt in Rom.«(Pint. /. 17.)
Dazu gehört eine im Jahre 157 1, (bei Neubehandlung desselben Stoffes fürKönig Sebastian) niedergeschriebene andere Anekdote, deren Quelle auch hierrömisches Stadtgespräch sein kann, vielleicht aber Vasari ist. »Waskönnte ich hier von Michel Angelo erzählen, das nicht erfunden und romanhaftklänge? Während es doch "Wahrheit ist, dass er bei Papst Clemens so viel galt,dass dieser, wenn er den Maler besuchte, sich nicht niedersetzte, sondern stehendmit ihm verhandelte, nur damit der scheue Sonderling nicht etwa dem Sitzendenaufrecht gegenüber stehen müsste. Auch hieß der Papst ihn sich bedecken. Unddas ist noch nicht alles: so abgeneigt und schwierig war Michel Angelo darin,seine Arbeiten zu zeigen, dass, weil der Papst sie einstmals gegen seinen Wunschzu sehen forderte, er ein Brett auf ihn schleuderte und ihm beinahe den Schädelin Gefahr brachte. Wie würde man einen portugiesischen Maler für solchenJähzorn strafen! Der Papst aber schätzte ihn von da ab nur noch mehr. Und sofhat Rom.« (Des. /. 35 v.)
Man sieht, wie schon, ehe Condivi, Vasari und Varchi geschrieben hatten,romanhafte Darstellungen von des Künstlers Verhältnis zu Julius II. und überdie Zusammenstöße der beiden Feuerköpfe, sowohl gelegentlich des Grabmals inS. Pietro in Vincoli, als bei der Ausmalung der Sixtina und ferner über dieEinzelnheiten der Flucht und der Versöhnung im Schwange waren. Man siehtferner, wie alles was vor 1538 lag, in des Portugiesen Gedächtnis ineinanderfloss. Er zieht in eins zusammen, was sich auf die Zeit von 1505 —1534 vertheiltund verwechselt überdies Clemens mit Julius.
Den geschichtlichen Thatsachen, so wie sie sich aus Michel Angelo'sEigenbericht ergeben, entspricht nicht eben vieles von Hollanda's Erzählung.Manches ist ihr allein eigen. Das Schleudern des Brettes berichtet außer ihmnur Vasari in der ersten Ausgabe. In der zweiten stempelt er es durch si dicezur Fabel (ed. Milan. VII. 169). Aus dem Rest erkennt man folgende, ob
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