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Maler, der eine solche wehklagende Venus vor Jovis Throne malt,wird große Vortheile vor dem Dichter voraus haben. Er malt denHimmel, wo die Handlung vor sich geht, die Gestalt, die Gewan-dung, die Haltung, die Gesten Jupiters, sowie seinen Adler mitden Donnerkeulen. Auch wird er die | verführerische Schönheit f. 125der Venus zeigen, ihre leichte Bekleidung, ihre bittende Geberde, v -mit solcher Zartheit, Leichtigkeit und Kunst, dass, wenn auchkeine Worte aus ihrem Munde kommen, sie doch mit den Augen,mit den Händen, mit dem Munde zu sprechen und alle jenemitleiderweckenden Klagen auszusprechen scheint, die Vergiliusuns überliefert hat •—■ besser, als wenn ein heiserer Magister unsdie Worte der Venus vorträgt, wobei wir ihre weiche, süße Rededoch nicht zu hören bekommen. 103
In gleicher Weise wird er den König Latinus besser dar-stellen, und die herrliche Versammlung der Laurenter, die einenmit verstörten Mienen, die anderen ruhiger und gleichmüthiger,verschieden in der Tracht, verschieden im Ausdruck ihrer Ge-sichter, verschieden an Alter und in ihren Bewegungen, was derDichter nicht vermag, ohne übermäßige Breite und Unklarheit.Kurz, was dieser nicht leistet, wird jener Maler vermögen undmehr Freude erwecken und einen größeren Eindruck auf unserzielen. Desgleichen wird er uns das Bild des wilden Turnusvor Augen stellen, wie er gegen den feigen Draucus so stolz undzornig anstürmt, dass man ihn zu fürchten und die Worte zuhören vermeint: | f. 126,
Reichlich zwar fließet, o Draucus, Dir stets der Beredsamkeit Ader. ,0 *
Deshalb halte ich, als Schüler einer stummen Meisterin, inmeinem armen Verstände die Macht der Malerei in der Hervor-bringung starker Wirkungen, der Erregung des Geistes und desGemüthes zu Freude und Lachen wie zu Trauer und Thränenfür stärker als die der Poesie, und ihre Beredsamkeit für ein-dringlicher. Doch möge in dieser Sache die Muse Kalliope Richterinsein. Ich werde mich mit ihrem Ausspruche bescheiden.«
Nachdem ich solches gesagt hatte, schwieg ich. Die Marchesaaber entschied zu meinen Gunsten, indem sie mir also schmeichelte:
— »Ihr, Messer Francisco, habt Eure Geliebte, die Malerei,so tapfer vertheidigt, dass, wenn Meister Michel Angelo nichtebenso vollgiltige Beweise von seiner Liebe zu ihr gibt, wir sie