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Vier Gespräche über die Malerei, geführt zu Rom 1538
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sprachen, mich ausgesandt hat, um Italien und seine Cultur, sowieden Meister Michel Angelo zu sehen, dem ich hier gegenüber-stehe. Wohl ist es wahr, dass wir nicht so glänzende Bauten undMalereien besitzen, wie Ihr hier; doch beginnt allgemach derfremdartige Einfluss zu schwinden, den Gothen und Mauren überdie hispanischen Gaue verbreitet haben. 47 Auch hoffe ich, wennich von hier nach Portugal heimgekehrt sein werde, die Ver-schönerung der Bauwerke oder Veredlung der Malerei so zu fördern,dass wir mit Euch wettzueifern beginnen werden. Die Malerkunstbesonders ist fast gänzlich untergegangen; ihr fehlt Glanz undName, und das nicht durch die Schuld Einzelner, sondern desganzen Landes, weil sie eben überhaupt nicht betrieben wird, sodass gar wenige sie wertschätzen und verstehen. Eine Ausnahmemacht nur unser erlauchter Herr und König, der jede Tugendübt und beschützt; und ebenso der erlauchte Infant Don Luis,sein Bruder, ein tapferer und gelehrter Fürst, der umfangreicheKenntnisse und ein feines Verständnis für die Malerkunst, wie auchfür alle | übrigen schönen Künste hat. Alle anderen verstehen weder, f. 109.noch schätzen sie die Malerei.«

— »Daran thun sie recht,« sprach Michel Angelo.Messer Lattanzio aber, der eine Weile geschwiegen hatte,

hub also zu reden an:

— > Diesen großen Vorzug haben wir Italiener vor allen anderenNationen der weiten Welt, dass wir die erhabenen Künste undWissenschaften kennen und ehren. Doch möchte ich bemerken,Francisco de Hollanda, dass, wenn einer die edle Malerkunst wederversteht noch achtet, er selbst daran schuld ist, nicht aber dieKunst, die an sich edel und vornehm ist, und dass er den Nameneines Barbaren und Unvernünftigen verdient und ein gut Theilseiner Menschenwürde verloren hat. K%

Beispiele für die Bedeutung der Malerei liefert die Geschichteder alten und neuen Kaiser, mächtiger Könige, Philosophen undanderer Kunstverständiger, die ihren Ruhm darin gesucht haben,die Kunst des Malens zu kennen, mit Lob und Preis von ihr zusprechen, ihr Aufgaben zu stellen, und dieselben großmüthig undreichlich zu bezahlen. | Selbst die Kirche erweist der Malerkunst hohe f. 109Ehren durch die heiligen Väter, Cardinäle, Kirchenfürsten und v 'Prälaten. In allen vergangenen Jahrhunderten und bei sämmtlichenalten Völkern ist diese Kunst über alle anderen geschätzt und für