I Erstes Gespräch. f. 95.
Dieweil, als ich nach Italien gieng, wohin mich mein Königgeschickt hatte, mein Zweck nicht war, Vortheile zu erringen oderandere Ehren, sondern einzig und allein, Gutes zu vollbringen,dachte ich weder daran, des Papstes Gunst, 1 noch der CardinäleSchutz - zu erwerben. Das weiß Gott, und auch Rom weiß es, wo all-gemein bekannt ist, dass ich recht wohl dort hätte bei Hofe, in desPapstes Diensten, verbleiben können, sowohl um meiner eigenenVerdienste willen als Dank der Wohlgesinntheit hochstehenderPersönlichkeiten im päpstlichen Haushalt. 3 Derartige Absichtenaber waren so gänzlich aus meinem Denken ausgelöscht, dasssie mir gar nie in den Sinn kamen, weil andere, weit bessereNeigungen mich beherrschten, die mehr über mich vermochten,als irgendwelche Gier nach Belohnungen oder Verheißungen aufsolche, die ich wenigstens hätte mit mir nehmen können, gleichwiedie Meisten zu thun pflegen, welche nach Rom kommen.
Was mir stets vor Augen stand, war einzig, wie ichmeinem königlichen Herrn, der mich ausgesandt hatte, mitmeiner Kunst dienen könnte. | Immerdar überlegte ich bei mir, f. 95»vie ich mir die Schöne und Lieblichkeit Italiens mit Gewalt v -aneignen und das Geraubte nach Portugal entführen könnte, zurLust des Königs, meines Gebieters, 4 und der Infanten, 5 besondersdes durchlauchtigsten Herrn Infanten Don Luis. 6
Welche fremden Festungen und Städte habe ich noch nichtin meinem Buche ? fragte ich mich. — Welche ewigen GebäudeUnd bemerkenswerten Bildsäulen besitzt diese Stadt, die ich ihrnoch nicht entwunden hätte und auf leichten Blättern, ohne^agen noch Schiff, davontragen könnte? Welche Wandmalereien