58 WIRKSAMKEIT UND WIRTSCHAFTLICHE LAGE
von seiten der Provinz versagt wurde, wollte er durch persön-liche Vorstellung beim Ordinariate seine Tüchtigkeit erweisen.In einem vom 23. Dezember 1722 datierten Briefe an den PaterProvinzial schlägt er energische Töne an: „Si adsit necessitas,vos Hercule, mihi compedes non injicietis, cum adsint viri vobisimperantes . . . fache vos, b,uod libuerit, ego facturus sum, quoddecebit." Einige Wochen früher hatte er demselben geschrieben:„Omnes sunt hie approbati, ubi confitentur saepius, solus egosto ut in angulo baculus. Assecuro tarnen vos, daß ich mihrmeine Mantell nicht werde zerreißen lassen" x ). Das Definito-rium aber hielt die Schutzhaft aufrecht und stellte ihm dieApprobation nach gründlicher Besserung und bestandenemExamen in Aussicht. Die Bedingungen scheinen ihm aber zuschwer gewesen zu sein. Es gelang ihm auszubrechen, undschließlich landete er nach langen Irrfahrten in Berlin, wo ersich beim König von Preußen für zwei Jahre als Soldat an-werben ließ. Nach diesem Kriegsdienst kehrte er reumütigzurück und der gerade getätigten Neuwahl des Generals hatteer es zu danken, daß er von der exemplarischen Strafe fürden dritten Rückfall bewahrt blieb. Er zeigte sich aber fürdie großmütige Amnestie nicht dankbar und als er einmalwieder nach Bochholz kam, wurde er an der Stätte, wo erzum ersten Male apostasiert war, wieder von einem ungestümenReisefieber ergriffen. Er reiste durch das Herzogtum Cleve undkam wieder nach Berlin, wo ihn aber der Preußenkönig durchseine Soldaten mit dem Ordenshabit wieder „einkleiden" undzum Eranziskanerkloster nach Elten transportieren ließ. Alser von hier unter dem Geleite einiger Brüder in ein anderesKloster gebracht werden sollte, wußte er wieder zu entfliehen,worauf er durch Holland vagabundierte. Außer diesen Reisenwurden ihm noch andere Vergehen zur Last gelegt: zwei Uhren-diebstähle und der Diebstahl eines Ringes mit einem kostbarenStein. Diese Sachen hatte er, wahrscheinlich um für seineAveiten Reisen einen Zehrpfennig zu haben, bei einem Judenin Emmerich versetzt. Dann wurde ihm vorgeworfen, daß erversucht habe, sich durch die Intervention des Königs von
J ) Acta cap. I 409.