GRÜNDUNG UND NEUBAU 13
dem bestimmenden Einfluß Luthers überzeugte Anhänger derneuen Lehre geworden waren 1 ).
Beide Patres hatten die nach innen und außen einfluß-reichsten Ämter im Kloster inne. Während der Lektor in derErziehung und wissenschaftlichen Heranbildung die jungenOrdensleute des Klosters auf die Seite des Reformators brachte,benutzte der Prior die Kanzel, um den neuen Lehren auchaußerhalb des Klosters Eingang zu verschaffen mit solchemErfolg, daß das Lippstädter Augustinerkloster als „erste Pflanz-schule des Luthertums in Westfalen" gelten kann 2 ). Als aus-gezeichnetes Propagandamittel erwies sich die von Westermannin westfälischer Mundart verfaßte Auslegung der zehn Gebote 3 ),die eine solche Verbreitung erhielt, daß der Historiker Senatenklagt, sie habe „mit ihrem Gift sogar auch die benachbartenQuellen der Pader infiziert" ')■
Schon im Jahre 1525 machte der Lippstädter AugustinerJohannes Köster den ersten Versuch zur ProtestantisierungGesekes, indem er unter dem Vorwande des gewohnten Almosen-sammeins, „das Korn der neuen Lehre ausstreute" 5 ). DieseBemühungen scheinen aber zunächst nicht den gewünschtenErfolg gehabt zu haben; denn noch im Jahre 1532 standendem damals noch katholischen Kurfürsten Hermann von WiedHilfstruppen der Stadt zur Niederwerfung der religiösen Neue-rungen in Paderborn zur Seite ,; ). Auch Hamelmann weiß ausdieser frühen Zeit noch keinen Fortschritt des Evangeliums inGeseke zu berichten 7 ).
Erst als Kurfürst Hermann von Wied offen zum Prote-stantismus übertrat und seinen großen Einfluß vor allem in
') Hamelmann 1045; Heppe 16.
2 ) Kampschulte, Einführung 49. :l ) Hamelmann 1045.
4 ) Niemöller 15 f.; Schaten, Annalium paderbornensium pars III,Paderborn 1741, 130.
6 ) Kampschulte, Einführung 49; Heppe 18.
*) Seibertz 450f.; Kampschulte, Einführung 183; Varrentrapp 67.Damals kam der stolze Vers auf:
Beleka Susatum, Padibornam Geseka sedat,
Sedat quas mndit Padra rebellis aquas; vgl. Seibertz 451.
') Hamelmann 1376.