VII. Marlborough. 209
dige Männer verlieren und entfernte Haiiey. Sodann vereitelten Marlboroughund Godolphin durch weise und energische Massregeln das Unternehmen desPrätendenten auf den englischen Thron. Im Winter 1709—1710, nachdemMarlborough im Haag zum folgenden Feldzug sich vorbereitet hatte und wahr-scheinlich seinen baldigen Fall bereits vorhersehend, bat er die Königin vonEngland, ihn fürs ganze Leben in der Würde eines Generalcapitains und Chefsder Artillerie zu belassen; es wurde ihm abgeschlagen, aber er bestand hart-näckig auf seiner Bitte. Seine Feinde, die ihn schon längst des Eigennutzesbeschuldigten, verbreiteten das Gerücht, dass er die Fortsetzung des Kriegesnur aus eigenen Vortheilen wünsche. Die Königin aber, die sich zu der Zeitmit seiner Frau entzweit hatte und im Stillen den vertriebenen Stuarts zugethanwar, bereitete selbst ihm den nahen Fall vor. Nach Beendigung des miss-lungenen Feldzuges von 1710 erlitt Marlborough in Folge eines Minister-wechsels in England (der Tories anstatt der Whigs) schon Demüthigungen undBeleidigungen: ihm wurde die Würde eines Statthalters von Belgien oder derspanischen Niederlande, die ihm angetragen worden war und um die er jetztselbst bei Karl VI. nachsuchte, abgeschlagen. Statt der frühem Lob-preisungen und Feierlichkeiten, wurden ihm Vorwürfe, Verläumdungen,Schmähungen der Journale und die Entfernung seiner Frau vom Hofe, zuTheilund nur die Vorstellungen der Verbündeten, dass von ihm allein die Erfolgedes Krieges abhingen, und die Bitten des Prinzen Eugen konnten Marlboroughbewegen, sich wiederum in die Niederlande zu begeben.
Im Anfange des Jahres 1711 marschirte er gegen die französischen be-festigten Linien zwischen Arras und Bouchain. Die Franzosen hielten sichtapfer in denselben, und Marlborough, von Prinz Eugen, der nach dem TodeJoseph's I. zum Oberrhein abberufen worden war, mit zu entscheidenden Ope-rationen nicht ausreichenden Streitkräften allein zurückgelassen, war gezwungen,sich im befestigten Lager bei Lens aufzustellen. Aber auch in dieser Stellungvermochte er es durch geschickte Bewegungen Villars zu täuschen, bei Vitryüber die Scarpe zu gehen, die französische befestigte Linie bei Arleux undAubigny zu durchbrechen und Bouchain zu belagern. Diese geschickten Be-wegungen und Operationen, denen selbst der Feind das gerechte Lob nichtabsprechen konnte, verdienen besondere Beachtung. Bouchain wurde am14. September nach langwieriger und schwerer Belagerung Angesichts derfranzösischen Armee erobert. Darauf wollte Marlborough noch in demselbenJahre die Festung Quesnoy belagern, aber die späte Jahreszeit war daran hin-derlich und Marlborough war gezwungen, Ende October seine Armee Winter-quartiere beziehen zu lassen.
Inzwischen waren ohne sein Wissen, noch im Laufe des Feldzuges diesesJahres geheime Friedensunterhandlungen zwischen England und Frankreichangeknüpft worden, und zugleich damit begannen auch neue Intriguen gegenMarlborough und unbegründete Beschuldigungen über unrechtmässige Verwen-
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. 111,2. 14