210 Beilagen.
düng der von ihm zum Unterhalte der Truppen empfangenen Geldsummen.Das Parlament verfügte in dieser Sache, dass er ungesetzlich gehandelt habe— und die Königin eröffnete ihm durch ein eigenhändiges Rescript vom1. Januar 1712, dass sie es für nöthig erachte, ihn von allen seinen Aemternzu entsetzen und der Gerechtigkeit in der über ihn anhängig gemachten Unter-suchung ihren gesetzlichen Lauf zu lassen. Die Antwort Marlborough's daraufwar voll edler Würde, aber sein Fall war schon beschlossene Thatsacheund weder die Bitten des Prinzen Eugen, noch die Vermittelung der verbün-deten Mächte konnten denselben abwenden. Marlborough wurde, zur SchandeEnglands, zur jährlichen Zahlung von 15,000 Pfund Sterling (90,000 Kübel)bis zur Ergänzung der ganzen Summe, deren Verschleuderung er beschuldigtworden war, verurtheilt und zu gleicher Zeit erfolgte das Verbot, den Bau desSchlosses Blenheim weiter fortzusetzen. Marlborough verliess tief beleidigt imNovember 1712 England und begab sich auf das Festland Europas, wurdeüberall ausgezeichnet aufgenommen und lebte zuerst in Frankfurt am Main unddann in Antwerpen. Am 14. April 1713 wurde der für England schmach-volle Utrechter Friede abgeschlossen und in Folge der Zurückgabe aller frühernBesitzungen an den Kurfürsten von Baiern, verlor Marlborough das Fürsten-thum Mindelheim, und behielt nur die Würde eines Keichsfürsten bei. ImJuli 1714 , als die Krankheit der Königin Anna neue innere Unruhen befürch-ten liess, kehrte Marlborough nach England zurück und widmete sich nachdem Tode der Königin ganz dem Dienste des neuen Königs Georg I., der ihnin die Aemter eines Generalcapitains und Chefs der Artillerie wieder einsetzte.Zur Zeit des Erscheinens des Prätendenten in Schottland leistete Marlboroughdurch seine ausgezeichneten Anordnungen in seiner Stellung, dem Staate grosseDienste. Im Jahre 1716 wurde er gelähmt; nach seiner Genesung bat er umseinen Abschied, wurde aber abschlägig beschieden; am 15. Juni 1722 starber im 72. Lebensjahre.
Sein Leichnam wurde mit grosser Pracht in der Westminsterabtei ausge-stellt und darauf in der Capelle von Blenheim bestattet, und auf der Ebenevor dem Schlosse Blenheim ein Obelisk mit seiner Statue errichtet.
Das Leben und den Charakter dieses berühmten Staatsmannes und Feld-herrn Englands, der so tief und ungerecht von dem englischen Parteigeiste be-leidigt und von Swift verläumdet worden war, hat William Coxe (s. oben inden Quellen) der Wahrheit getreu aus Familiendocumenten und Papieren undandern Quellen geschildert. Graf Chesterfield hat eine ausgezeichnete Charakte-ristik von ihm in folgenden Worten gegeben : »Marlborough glänzte nicht durchblendenden Scharfsinn und grosse Gedanken, aber es übertraf ihn Niemand angesundem Urtheil und an durchdringendem Scharfblicke. Mit der glücklich-sten Gesichtsbildung vereinigte er in Allem, was er that, eine Heiterkeit undAnmuth, der man nicht widerstehen konnte. Er war ein gehorsamer Sohn,ein zärtlicher Gatte , ein treuer Freund und nachsichtiger Herr seiner Diener-