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die Niederlande. Hier stand Villeroi in den befestigten Linien von der Maasbis Tirlemont. Marlborough täuschte ihn durch einen Scheinangriff auf denrechten Flügel, warf sich mit Macht auf den linken und zwang am 18. JuniVilleroi zum Rückzug aus den Linien. Bei dieser Gelegenheit wurde Marlbo-rough , der sich nur in Begleitung eines Trompeters und Reitknechtes, zu weitvorgewagt hatte, von französischen Reitern umzingelt und ein Officier hatteschon den Säbel gegen ihn gezückt, als die englische Reiterei noch rechtzeitigihn vom Tode oder der Gefangenschaft befreite. Bald darauf waren Tirle-mont , Diest und Aerschot von den Verbündeten erobert, die nach Löwen mar-schirten und wahrscheinlich wichtige Erfolge nach ihrem Siege erzielt hätten,wenn nicht Regengüsse und schlechte Wege ihrem Marsche Schranken gesetzthätten. Inzwischen gelang es Marlborough, die holländischen Commissäre zurZustimmung seines Ueberganges über den Fluss Dyle zu bewegen. Am 29.Juli war seine Avantgarde schon auf das linke Ufer des Flusses übergegangenin der Hoffnung, die Franzosen unerwartet zu überfallen, aber in derselbenZeit erachteten die holländischen Generäle die Unternehmung Marlborough'sfür zu kühn — und mit Bedauern musste er seine Truppen zurückberufen.
So war er auf Schritt und Tritt in seinen Handlungen gebunden ! Ersprach seine Unzufriedenheit in einem Schreiben an die Generalstaaten aus,aber aus Furcht, dass daraus zwischen England nnd Holland schädliche Zwistig-keiten entstehen könnten, unterdrückte und verbarg er seinen grossen Miss-muth. Die zeitweilige Einstellung der Feindseligkeiten benutzend, folgte erder Einladung des Kaisers Joseph I. , ging nach Wien und erhielt von ihm dasFürstenthum Mindelheim als Erbbesitz.
Seine Operationen in den Jahren 1706 —1710 in den Niederlanden sindoben in §. 46 beschrieben; wollen wir zu denselben nur noch einige ihn selbstbetreffende Umstände hinzufügen. Der von ihm im Jahre 1706 über Villeroibei Ramillies erfochtene Sieg brachte in England eben solch einen Enthusias-mus hervor, wie der bei Blenheim. Joseph I. und Karl III., König (oder Prä-tendent) von Spanien, trugen Marlborough die Würde eines Statthalters vonBelgien an, die er mit Genehmigung der Königin annahm, auf sie jedoch spä-terhin , als er die Befürchtungen der Generalstaaten sah, wieder verzichtete.Nach Beendigung des Feldzuges von 1706 beglückwünschten und danktenMarlborough von Neuem beide Häuser des Parlaments, und die Siegestrophäenvon Ramillies wurden ebenfalls in der Westminsterabtei ausgestellt.
Unterdessen bemühten sich Ludwig XIV. und Villars in Deutschland, dendamals mit seinem Heere in Sachsen stehenden Schwedenkönig Karl XII. fürsich zu gewinnen ; aber Marlborough verstand es ihn davon abzuhalten, indemer ihn persönlich in Altrannstädt besuchte. Am Anfange des Jahres 1708 nachLondon zurückgekehrt, war er zusammen mit Godolphin in Folge derlntriguendes Staatssecretairs Harley gezwungen zum dritten Male die Königin um seineEntlassung aus dem Staatsdienste zu bitten; sie aber wollte nicht solche wür-