VII. Marlborough. 207
zosen wie im Jahre 1702, und von Neuem seitens der holländischen General-staaten daran gehindert, war er gezwungen, Bonn zu belagern, welches am16. Mai capitulirte. Darauf wollte er auch Antwerpen und Ostende erobern,aber alle seine Versuche, die Aufmerksamkeit des Marschalls Villeroi abzu-lenken, sowie der Ueberfall des Generals Coehoom auf West-Flandern warenerfolglos. Da marschirte er persönlich, stets den Kampf im Auge, gegen diefranzösische Armee, die an Streitkräften seiner Armee gewachsen und amFluss Mehaigne- aufgestellt war. Aber der holländische General Opdam, derden rechten Flügel befehligte, wurde bei Ekkern von Bouffiers geschlagen unddie Unternehmung Marlborough's hatte keinen Erfolg. Eine andere ähnlicheUnternehmung gelang gleichfalls nicht durch die Zaghaftigkeit der holländischenGeneralstaaten, und Marlborough, zum Rückzug hinter die Maas gezwungen,eroberte nach einigen Tagen die befestigten Städte Huy, Limburg und Geldern.Am Ende dieses Jahres wollte Marlborough, der schon hinlänglich alle Unbe-quemlichkeiten und Unannehmlichkeiten des Obercommandos über eine bunt zu-sammengesetzte Coalitionsarmee in einem solchen Lande wie die Niederlandeund unter solcher Vormundschaft wie die holländische, erprobt hatte undausserdem der gegen ihn in Holland und England geschmiedeten Ränke müde undüberdrüssig war. dem Obercommando in den Niederlanden entsagen. Späteraber änderte er seine Absicht dahin ab , dass er sich entschloss, die holländi-schen Truppen in Flandern zu belassen und selbst mit der Hauptmacht nachDeutschland zu gehen und sich dort mit der kaiserlichen Armee zu vereinigen.Es gelang ihm dafür den Prinzen Eugen von Savoyen und die englischen Mini-ster zu gewinnen, und im Frühjahre 1704 liess erden holländischen GeneralOverkerk mit den holländischen Truppen zur Vertheidigung der Niederlandezurück und marschirte selbst mit 16,000 Mann verbündeter Truppen das linkeRheinufer aufwärts. Seine ferneren Operationen im Jahre 1704 in Deutsch-land sind oben im §. 42 beschrieben worden und sein Antheil an der Schlachtund dem Siege bei Höchstädt in der Biographie des Prinzen Eugen, im Anfange.Indessen ward die grösste Ehre dieses Sieges ihm, als Obercommandirendenzugeschrieben, obgleich diese mehr dem Prinzen Eugen zukam, und Marl-borough war auf die allerfreigebigste Weise belohnt worden. Der KaiserLeopold I. erhob ihn zum Reichsfürsten, und in London wurden ihm die Glück-wünsche beider Parlamente zu Theil und er erhielt die Domäne Woodstock,wo die Königin auf ihre Kosten ein grossartiges Schloss zu errichten befahl,das Blenheim benannt wurde; die Blenheim'schen Trophäen aber wurden inder Westminsterabtei ausgestellt.
Im Jahre 1705 zwangen die kleine Zahl der verbündeten Truppen in denNiederlanden und die Aengstlichkeit, Unentschlossenheit der holländischenStaaten und Generäle Marlborough von Neuem, die Königin zu bitten, ihn vomObercommando. in den Niederlanden zu befreien; aber er wurde abschlägigbeschieden und begab sich gegen seinen Willen, aber mit Selbstverachtung in