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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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202 Beilagen.

wünschenswert!] gewesen. Aber auch das, was er vollbracht, ist hinreichend,um ihm einen Platz unter den grossen Feldherren und militärischen Vorbildernaller Zeiten und Völker anzuweisen.

Hinsichtlich des Charakters besass er alle Eigenschaften grosser Männerund Feldherren, ohne einige ihrer Fehler zu haben. Fern von Hoffart, ge-wöhnlichem und falschem Ehrgeiz und noch mehr von jeglichem Despotis-mus , opferte er niemals seine Tuppen einer kleinlichen Ruhmliebe, sondernwar ungemein für ihre Verpflegung und ihren Unterhalt besorgt und Hess esniemals zu, dass sie an irgend Etwas Mangel litten. Um so mehr forderte ervon ihnen und schonte sich selbst dabei durchaus nicht, was seine im Laufedes Lebens erhaltenen acht Verwundungen beweisen. In den Biographien überihn sind viele Nachrichten hinsichtlich seiner Fürsorge für Verwundete undKranke , sowie von seiner grossen Freigebigkeit enthalten. Belohnung dafürwar ihm die grösste Anhänglichkeit und Ergebenheit seiner Truppen undArmeen, welche sich für unbesiegbar hielten, so lange er an ihrer Spitze stand.

Als Privatmann zeichnete sich Prinz Eugen durch seine hohe Bil-dung, ja Gelehrsamkeit, durch seine besondere Liebe für Wissenschaften undKünste, auch zu unabhängiger Denkungsart aus, die ihn über sein Zeitaltererhob. Er führte persönlich eine sehr massige und einfache Lebensweise,wenn er auch den Glanz in Allem, was ihn umgab, liebte. In allen wichtigenVerhältnissen und Angelegenheiten war er in sich verschlossen, nicht mittheil-sam und verschwiegen, besass aber die besondere Gabe, andere Leute auszu-forschen und ihre Gedanken zu ergründen. Er sprach selten und wenig undlobte nur besonders ausgezeichnete Verdienste. Bemerkenswerth ist auchseine Nachsicht gegen seine Feinde, die er gut kannte, aber denen zu schadenihm nie in den Sinn kam, wenngleich er es auch gekonnt hätte. Im Allge-meinen kann man sagen, dass die höchste Kraft seines Geistes sein morali-scher Muth (das was sehr treffend die Franzosen mit den Worten couraged'esprit ausdrücken) ihn über alle kleinlichen Bedenken und sogar über unab-wendbare Schicksalsschläge erhob. In dieser Hinsicht kann man ihn einenStoiker in der edelsten Bedeutung dieses Wortes nennen.

Sein Aeusseres wird von Biographen und durch Portraits folgendermassengeschildert: er war von mittlerem Wüchse, hatte aber ein längliches Gesicht,war brünett und hatte schwarze stechende Augen mit grossem Feuer, er schnupfteoft und viel Tabak und hatte den Mund stets etwas geöffnet. Sein ganzesAeussere überhaupt, ziemlich hager, schwarzes Haar (welches er, nach Sitteder Zeit, bei feierlichen Gelegenheiten mit einer grossen Perrücke bedeckte)und seine sehr ernsten Gesichtszüge flössten jedermann ein besonderes Gefühlder Achtung für ihn ein. Der Kopf, das Gesicht und der Oberkörper sindsehr gut auf seinem künstlerisch ausgeführten lithographischen Portrait darge-stellt, das dem Werke: »Prinz Eugen von Savoyen, nach den handschriftlichenQuellen der kaiserlichen Archive, von Alfred Arneth, Wien 185S«, beigefügt