VII. Marlborough. 203
und von welchem ein Abdruck als Titelblatt dem vorliegenden Buche vorge-heftet ist. Unter diesem Portrait befindet sich auch ein Abdruck von der eigen-händigen Unterschrift des Prinzen Eugen : Eugenio vonSavoye. So unterschrieber sich gewöhnlich in drei Sprachen (das erste Wort auf italienisch, das zweiteauf Deutsch und das dritte auf französisch), indem er dieses einst auf folgendeWeise erklärte: »als Italiener verstehe ich mich für Beleidigungen zu rächen(in Bezug auf Frankreich) , als Deutscher bin ich aufrichtig und als Franzoseliebe ich meinen Herrn, den Kaiser«.
Als Belohnung für seine ausgezeichneten Verdienste um Oesterreich undDeutschland wurde er vom Kaiser Leopold I. im Läufe von zehn Jahren schnellzum Oberst. Generalmajor, Feldmarschall-Lieutenant und endlich zum Feld-marschall befördert, und in dieser Würde vertrat er nach dem Jahre 1697 oftin der Armee die Person des Kaisers, unter dem höchsten Titel eines General-Lieutenants oder Stellvertreters des Kaisers, mit einem Worte eines Generalis-simus aller Truppen, eine Würde, die vor ihm nur Wallenstein bekleidet hatte.Aber der Prinz Eugen benutzte solch hohe Würde und Macht bei Weitem nichtso wie Wallenstein. Geldbelohnungen und Orden (mit Ausnahme des ihm vonKarl VI. verliehenen Ordens vom goldenen Vliesse) hat er niemals bekommen,folglich auch nicht gewünscht. Dies dient ebenfalls zu seiner Charakteristik.
Schliesslich ist im Allgemeinen Folgendes zu sagen :
1) Seine ganze Persönlichkeit erscheint in jeglicher Hinsicht ebenso gross,hell und sympathisch wie die Persönlichkeiten Gustav Adolph's und Turenne's,und diese drei grossen Männer und Feldherren, Einer nach dem Andern, er-öffnen in würdigster Weise die Kriegsgeschichte der neuen christlichen Zeitenund Völker der Welt. Die drei Helden der alten heidnischen Zeit stehen alsMenschen in ganz anderen Verhältnissen und dürfen nur als grosse Feldherrenbeurtheilt werden. Gustav Adolph, Turenne und Prinz Eugen hatten, jederbesonders, wie ganz natürlich, auch ihre persönlichen Eigenheiten als Men-schen und Feldherren; aber alle drei zusammen hatten in dieser Hinsicht viel,sehr viel Allgemeines.
2) Was oben zum Schluss über Turenne gesagt worden — gleich ihmhätte auch der Prinz Eugen das volle Recht, in gleiche Linie mit den grösstenFeldherren der Geschichte der alten, neuen und neuesten Zeit gestellt zu wer-den, wenn er sich in derselben unabhängigen Stellung befunden hätte wie Ale-xander der Grosse, König von Macedonien , Julius Cäsar, der unumschränkterömische Dictator, die Könige Gustav Adolph und Friedrich II. , der KaiserNapoleon I. und sogar Hannibal, der bevollmächtigte Feldherr Karthago's.
TU. Marlborough.
Der letzte (nicht dem Werthe nach, sondern nach seiner Zugehörigkeitweder zur französischen noch zur kaiserlichen, sondern zur englischen Armee)