VI. Prinz Eugen von Savoyen. 201
in der Mitte zwischen den Feldzügen von 1710, 1711 und 1712 und in denFeldzügen von 1734 —1735.
Von seinen 72 Lebensjahren hat der Prinz Eugen 52 Jahre in fast un-unterbrochener militärischer und kriegerischer Thätigkeit verbracht und vondiesen 10 Jahre in untergeordneten Stellungen und 42 Jahre als Obercomman-dirender selbstständiger Armeen, aber nur zwei Jahre (1716 — 1717) in gänz-lich unabhängiger, alle übrigen Jahre in mehr oder weniger abhängiger undbeschränkter Stellung. Aber immer und überall zeigte er sich als hochbe-gabter , geschickter und entschlossener Feldherr ersten Ranges, der deutlichsein Ziel erkannte und mit sich selbst ganz einig war. Diesem Umstandnamentlich verdankte er seine Erfolge, das sogenannte Glück und das grosseZutrauen dreier Kaiser: Leopold's I. , Josephs I. und Karl's VI., und seinepersönlichen Beziehungen zu ihnen sind eben so bemerkenswerth, wie sein gan-zes Leben. Als Charakteristik derselben können seine eigenen Worte dienen,die er nach dem Zeugnisse seiner Biographen einst ausgesprochen: »Den KaiserLeopold habe ich wie meinen Vater verehrt, den Kaiser Joseph wie meinenBruder und den Kaiser Karl wie meinen Kaiser, der mich, seinen treuenDiener, belohnt hat.« Diese Gedanken und Gefühle des Prinzen Eugen spre-chen für sich selbst. Hier ist noch das Zeugniss eines andern grossen Mannesüber die Verdienste, die Prinz Eugen dem Hause Oesterreich und der Monarchieerwiesen: Friedrich IL, König von Preussen, drückte sich wie folgt aus: »Tantque le prince Eugene conserva la vigueur de son esprit, les armes et les negooiationsdes Autrichiens prospererent.« Und in der That nahmen nach dem Tode desPrinzen Eugen die politischen und militärischen Angelegenheiten der öster-reichischen Monarchie auf lange Zeit eine ungünstige Wendung. Später hatein anderer grosser Mann und Feldherr, Napoleon L, den Prinzen Eugen ebenso hoch geschätzt wie Turenne und beide unter die Zahl der sieben grossenFeldherren der Geschichte gestellt. Mehr als zwanzig Biographen und alleHistoriker und Schriftsteller erwähnen einstimmig, gewissenhaft und unpar-teiisch des Prinzen Eugen als eines grossen Menschen und Feldherrn. Miteinem Worte, die Nachwelt und Geschichte haben schon ihr gerechtes Urtheilüber ihn gefällt, und sein Name wird weder in Oesterreich noch in Deutsch-land noch in der ganzen gebildeten Welt aussterben.
Als Feldherr machte Prinz Eugen von der ihm gegebenen Macht einenGebrauch, der eines klugen Mannes durchaus würdig war, er liebte die Me-thode, aber das hinderte ihn nicht, entschlossen und energisch zu handeln, undauch darin hatte er viel Aehnlichkeit mit Gustav Adolph und Turenne. Solchgrosse Unternehmungen, wie diese vollbracht, hatte er nicht Gelegenheit zuvollbringen; aber sein Feldzug in Italien und sein Marsch nach Turin im Jahre1706 beweisen deutlich , wozu er sich hätte entschliessen können und was erauszuführen im Stande gewesen wäre. Nur noch mehr Freiheit und Glück inden Feldzügen von 1708—1712 wären zu seinem vollen Feldherrnruhm