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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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VI. Prinz Eugen von Savoyen. 195

Im October wurde Prinz Eugen nach Wien berufen, um an den begonnenenUnterhandlungen Theil zu nehmen , welchen bald darauf ein Waffenstillstandund dann der Friede folgte. *

Dies waren die zwei letzten Feldzüge des Prinzen Eugen. Sie sind oftgetadelt worden, und in der That, vom militärischen Gesichtspunkte aus hättendie Kriegsoperationen seitens des Prinzen Eugen, wie es scheint, entschlossenergeführt werden können. Es ist aber in Betracht zu ziehen, dass Prinz Eugenzu der Zeit nicht nur der erste Feldherr, sondern auch der erste Staats-mann Oesterreichs war. In letzterer Hinsicht, indem er die wichtigstenStaatsangelegenheiten leitete, sah er aus denselben die ganze Nutzlosigkeit diesesKrieges ein, war gegen denselben und gab nur dem dringenden Willen desKaisers nach. Und sodann hatte er in beiden Feldzügen aus vielen undverschiedenen Gründen stets weniger Truppen, als gegen ihn die Franzosen,so dass er wohl oder übel genötlngt war, sich auf die Vertheidigung des rech-ten Rheinufers zu beschränken, damit die Franzosen nicht in Deutschland ein-fielen. Zudem unternahmen auch Berwick, d'Asfeldt und Coigny, wahr-scheinlich auch aus politischen Erwägungen des französischen Hofes, nichtsEntscheidendes, obgleich sie es konnten, da sie das Uebergewicht an Streit-kräften auf ihrer Seite hatten. Im Jahre 1734, als die Stärke der Armee desPrinzen Eugen auf 74,000 Mann wuchs, ging er offensiv gegen Philippsburgvor, das von Berwick belagert ward, stand indess von dem Angriffe der Phi-lippsburger Linien in Folge der Stärke derselben und der Unzugänglichkeitder sumpfigen Oertlichkeit ab. Vor Belgrad wagte er aber doch in einerungemein schwierigeren Lage, indem er die Festung belagerte, den Vezier an-zugreifen, der ihn selbst wieder belagerte? Die wirklichen Ursachen, die esihm nicht erlaubten, Berwick anzugreifen, sind nicht bekannt; aber es lässtsich mit Wahrscheinlichkeit vermuthen: 1) dass er sich auf die Versicherungder ihm untergebenen Generäle undOfficiere, die Gegend sei unzugänglich, ver-liess, ohne sich selbst davon überzeugt zu haben, und 2) was die Hauptsache ist:weil er vorhersah, dass der Angriff, sowohl im Falle des Gelingens als des Miss-lingens sehr entscheidende Resultate nach sich ziehen könnte, ohne Sympathiefür den Krieg, und schon im hohen Alter, am Ende seiner vieljährigen krie-gerischen Laufbahn, wollte er weder die Interessen des Kaisers und Deutsch-lands noch seinen eigenen Ruf dem Zufall überlassen und stand daher vomAngriffe ab. Und somit scheint im Allgemeinen hervorzugehen, dass in diesenbeiden Feldzügen die politischen Erwägungen mehr oder weniger die Kriegs-operationen des Prinzen Eugen paralysirt haben und daher auch in keinemFalle seiner Unentschlossenheit zuzuschreiben und ihm zur Last zu legen sind.

Als Beweis dafür, dass Prinz Eugen in diesen beiden letzten Feldzügenschon sehr gealtert (er war 71—72 Jahre alt) und körperlich geschwächt war,dient, dass am Ende des Jahres 17 35 seine körperlichen Kräfte in dem Maasseschwanden, dass sogar sein Gedächtniss schwach wurde. Darauf befiel ihn

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