VI. Prinz Eugen von Savoyen. 193
(dieses war hauptsächlich das Jahrhundert derartiger Kriege). Russland warauf Seiten August's, hingegen Frankreich, im Bunde mit England, Preussen,Dänemark und Schweden, auf Stanislaus' Seite. Der Kaiser Karl VI. neigtesich auf die Seite August's. Als in seinem Staatsrath die Frage aufgeworfenwurde, ob wohl August durch Waffengewalt zu unterstützen sei, war PrinzEugen dagegen, schloss sich aber der entgegengesetzten Meinung des Kaisersund der Mehrzahl des Raths an und traf dann alle Massregeln zur Führung desKriegs auf entscheidende Weise. Bis aber die nöthigen Vorbereitungen be-endet waren und die kaiserlichen Truppen zum mittlem'Rhein marschirten,waren die Franzosen schon im October 1733 über denselben gegangen, hattenKehl belagert und erobert, sich längs dem rechten Rheinufer ausgebreitet undbegannen nun grosse Contributionen zu erheben, was grosse Unzufriedenheitunter den Reichsfürsten hervorrief. Zu derselben Zeit erklärten sich die Kö-nige von Sardinien und Spanien gegen August und den Kaiser, und in Italienentbrannte so ebenfalls der Krieg. Da sowohl in Deutschland als auch inItalien sehr wenig kaiserliche Truppen waren, so konnten sie in diesem Jahrekeinen Widerstand leisten. Zudem wiederholte sich im Jahre 1734 dasselbe,was schon früher im Jahre 1714 in Deutschland der Fall gewesen war: dieReichsfürsten verwarfen entschieden den Krieg, sehr natürlich, weil dessenganze Schwere, ohne jeglichen Nutzen für sie, auf ihnen lastete. Daher zähltedie Reichsarmee am Rhein, unter dem Oberbefehle des Prinzen Eugen, imApril erst 35,000 Mann gegen 80,000 Mann französischer Truppen. PrinzEugen schwankte, ob er den Oberbefehl annehmen sollte oder nicht, war abergezwungen sich dem Wunsche und den Bitten des Kaisers zu fügen und gingden 17. April zur Armee ab, die er im Lager bei Philippsburg antraf und dieer sofort wie im Jahre 1714 in die Ettlinger Linien stellte. Der die franzö rzösische Armee befehligende Marschall Berwick entsandte ein abgesondertesCorps unter Belleisle nachTrarbach an der Mosel, ging mit der einen Hälfte derArmee oberhalb Rastatt über den Rhein und marschirte gegen die EttlingerLinien, während der General Asfeldt mit der andern Hälfte in der Nähe vonSpeier den Rhein überschritt. Prinz Eugen, in beiden Flanken von über-legenen Streitkräften bedroht, zog sich nach Heilbronn zurück. Die französi-sche Armee concentrirte sich in Ettlingen, zerstörte die Ettlinger Linien undBerwick wollte ins Innere Deutschlands eindringen, was das Zweckmässigstegewesen wäre, änderte aber seine Absicht und zog es vor, Philippsburg zu be-lagern , also von Neuem wieder die alte Art und Weise — statt entschiedenerOperationen mit dem Zwecke eines Kampfes, ein Festungs- und Belagerungs-krieg mit Allem was daran hängt. Inzwischen war die Armee des PrinzenEugen auf 74,000 Mann verstärkt worden; am 19. Juni marschirte PrinzEugen auf Philippsburg zu, und sich demselben nähernd unternahm er eineRecognoscirung (an der unter andern auch der König von Preussen, FriedrichWilhelm L, und der Kronprinz von Preussen, der spätere König Friedrich IL
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. III, 2. 13