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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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192 Beilagen.

Parallele errichten lassen, was den Prinzen Eugen bewog , ihn anzugreifen.Die in Folge dessen entbrannte Schlacht bewies, dass die kaiserlichen Truppensich ebenso selbst zu helfen wussten, wie der Prinz Eugen es verstand, denentscheidenden Augenblick des Kampfes zu benutzen. Darauf galt es zu ent-scheiden , ob Temesvar oder Belgrad zu belagern sei. Prinz Eugen entschlosssich das Erstere zu belagern, obgleich, wie es scheint, nach dem Siege beiPeterwardein die Belagerung von Belgrad trotz der vorgerückten Jahreszeitviel weniger Beschwerden und Gefahr als im Jahre 1717 geboten und denKrieg vielleicht ein Jahr früher zu Ende geführt hätte. Wahrscheinlich aberwar der Prinz Eugen nicht zur Belagerung einer so starken Festung wie Bel-grad vorbereitet, und würde durch Vorbereitungen zu derselben sehr aufge-halten worden sein. Im Jahre 1717 entsteht die Frage, weshalb Prinz Eugendie Armee des Veziers nicht früher schlug, ehe er Belgrad belagerte? Daraufkann man antworten , dass der Sieger von Zenta und Peterwardein hinlänglichdie Operationsart der Türken kennen gelernt hatte und daher ihnen gegenübernicht ohne Grund es vorzog, zu gleicher Zeit Belgrad zu belagern und sich vorder Armee des Veziers zu decken, und die Hoffnung hegte, das Erstere zu er-obern und die Letztere abzuschlagen. Die Umstände nahmen aber eine solcheWendung, dass Prinz Eugen, indem er Belgrad belagerte, selbst vom Vezierbelagert wurde und dadurch in eine so nachtheilige Lage gerieth, dass ihmschliesslich nichts Anderes übrig blieb, als zurückzuweichen oder anzugreifen.Er wählte das Letztere und bewies dadurch eine ungewöhnliche Willenskraftund Entschlossenheit. Obgleich ein nächtlicher Ueberfall einerseits mit vielenGefahren verbunden war, besonders in Folge des bis zum Morgen währen-den Nebels, so war ein solcher anderseits gegen die Türken, die einenUeberfall gar nicht erwarteten, sehr gut gewählt. Schwer und gefährlich wardie Lage des Prinzen Eugen bis zum Morgen, aber das Glück war ihm in derNacht günstig, und am Morgen neigten sein scharfes Auge und seine geschick-ten Anordnungen den Sieg sofort auf seine Seite. Dieser Sieg, die Fruchtseiner ungewöhnlichen Entschlossenheit und Kühnheit, führte zu den wichtig-sten Resultaten, zum Falle Belgrads und zur Beschleunigung eines für denKaiser vortheilhaften Friedens.

Nach Wien zurückgekehrt, erhielt Prinz Eugen zu den frühern Würdeneines Präsidenten des Hof kriegsrathes, eines Staats- und Conferenz - Ministersnoch die Würde eines General-Gouverneurs der Niederlande, mit der Erlaub-niss die Verwaltung derselben einem Statthalter anvertrauen zu dürfen.

Die sechzehn folgenden Jahre (1718 —1733) betheiligte sich Prinz Eugengar nicht an Kriegen, sondern war ausschliesslich mit Staatsangelegenheitenbeschäftigt. Allein der Tod August's L, Königs von Polen und Kurfürsten vonSachsen, im Februar 1733, die Ansprüche auf den polnischen Thron vonseitenseines Sohnes August und des gewesenen Polenkönigs Stanislaus Leszczinskyriefen in Europa einen neuen Erbfolgekrieg, und zwar einen polnischen, hervor