VI. Prinz Eugen von Savoyen. 191
Eugen führte persönlich die zweite Linie in den Zwischenraum und schlugnach hartem Kampfe die Türken zurück, wobei er selbst durch einen Säbelhiebleicht verwundet wurde. Damit die Truppentheile nicht einzeln kämpfen unddie Fühlung mit einander nicht verlieren sollten, befahl er allen Brigaden deslinken Flügels in einer Linie vorzurücken, indem eine sich an die andere hielt.Es war jedoch nicht möglich sie zurückzuhalten, besonders die bairische In-fanterie, die sich mit Ungestüm auf die gegen sie stehenden Türken stürzte,dieselben warf und eine Batterie von 18 Geschützen eroberte. Nun begannenalle Truppentheile den Kampf, je nach Bedürfniss, einzeln, sich aber gegen-seitig unterstützend und ohne die Verbindung mit einander zu zerreissen. Balddarauf waren die Türken überall von den Höhen auf die hinter denselben lie-gende Ebene geworfen und ergriffen nach theilweiser Gegenwehr die Flucht,von der leichten Reiterei verfolgt; sie hatten im Kampfe an 10,000 Mann undwährend der Verfolgung an 3000 Mann Todte, gegen 5006 Manu Verwundeteund eben so viel an Gefangenen verloren. Ihr ganzes Lager , 131 Geschützeund 30 Mörser, zahlreiche Munition, Fahnen, Kossschweife u. dgl. m. fielenin die Hände der Sieger, wobei den Truppen als Belohnung reiche Beute zuTheil wurde. Die Schlacht endete gegen 11 Uhr Morgens (16. August). DieGarnison Belgrads verblieb die ganze Zeit über in vollständiger Ruhe. Den17. August forderte Prinz Eugen die Festung zur Uebergabe auf, welche aucham 18. erfolgte. Die Garnison erhielt freien Abzug und Belgrad wurde ein-genommen und in Vertheidigungszustand gesetzt. Darauf kamen noch vieleScharmützel mit den Türken vor, die dabei eine Menge kleiner befestigterPunkte verloren, und die kaiserlichen Truppen rückten in Bosnien ein. End-lich bezog die Armee ausgedehnte Quartiere und Prinz Eugen kehrte nachWien zurück.
Bald darauf schlug die hohe Pforte durch Vermittlung Englands einenFrieden vor, über welchen auch die Unterhandlungen 1718 eröffnet wurden.Inzwischen aber begab sich Prinz Eugen zur Armee, schlug dem Grossvezierden vorgeschlagenen Waffenstillstand ab und bereitete sich auf entscheidendeOperationen vor. Es kam jedoch zu keiner wichtigen Operation mehr, balddarauf wurde der Friede zu Passarowitz geschlossen, nach welchem Temesvar,Belgrad, das Banat, Serbien, Bosnien und die kleine Walachei dem Kaiser ab-getreten wurden. Diese beiden Feldzüge von 1716 und 1717 gereichen demPrinzen Eugen zu grosser Ehre.
Im Jahre 1716 kam er zur Armee erst in der ersten Hälfte Juli, mit demBefehle, den Grossvezier aus seiner Stellung zu locken und anzugreifen. DerVezier kam dem Prinzen Eugen zuvor, indem er selbst gegen ihn in de/ Ab-sicht, ihn anzugreifen, heranrückte. Der Prinz Eugen nahm vor Peterwardein,hinter der Donau eine nicht ganz vortheilhafte, aber gutgewählte Position einund traf Massregeln erst zur Abwehr, und dann zum Angriffe gegen die Tür-ken. Wie es aber scheint, hatte der Vezier seine Absicht errathen und eine