VI. Prinz Eugen von Savoyen. 189
von Futaka über Titel, die Theiss und Bega nach Pancsova, wo er auf einerSchiffsbrücke die Donau überschritt und seine Armee am 18. Juni beiWinnicz,anderthalb Meilen von Belgrad, ein Lager beziehen liess. An diesem Tagenoch unternahm er eine Recognoscirung der Festung, wobei er sich in einemGefechte mit der türkischen Reiterei grosser Gefahr aussetzte. Am 19. Juninahm die ganze Armee die ihr bestimmten Punkte ein, mit der rechten Flankezur Donau und der linken zur Sau. Die Flottille deckte die rechte Flanke,und ein Theil der Fahrzeuge stellte sich bei Semlin dort gegenüber auf, woder Graf Hauben mit einem Detachement postirt war, um die Verbindungenmit den Magazinen in Peterwardein sicher zu stellen. Am 20. Juni beganndie Herstellung der Circum- und Contravallationslinien und vieler Brücken zurinnern Communication der Truppen. Alles dies erforderte grosse Anstrengungen,um so mehr, da die Türken fortwährend und stark die Arbeiter belästigten,aber erfolgreich zurückgewiesen wurden. Zum 1. Juli waren beide Linienfertig und es wurde zur Verstärkung derselben und zur Errichtung von Batte-rien geschritten, aber keine Trancheen errichtet, weil Prinz Eugen, um seineArmee zu schonen, Belgrad blokiren und nicht belagern wollte. Den 29.Juli waren die Batterien fertig und eröffneten ein sehr wirksames Feuer, wel-ches den Türken und ihren Batterien grossen Schaden zufügte. Unterdessennäherte sich die Armee des Veziers Belgrad und am 29. Juli erschien bereitsdie Avantgarde derselben in der Nähe Belgrads. Am 1. August aber stelltesich die ganze türkische Armee, an 150,000 Mann stark, in einem grossenBogen um die Armee des Prinzen Eugen von der Donau bis zur Sau auf. So-mit befand sich Prinz Eugen zwischen 150,000 Mann Türken im Felde und30,000 Mann in Belgrad, ohne auch nur die Hälfte dieser Truppenzahl zuhaben. In solcher Lage konnten beide Theile nicht lange bleiben, und PrinzEugen entschloss sich, was es auch kosten mochte, Belgrad zu erobern, beschlossjedoch nicht zu sehr zu eilen, sondern abzuwarten, was die Türken unter-nehmen würden. Aber dieses Abwarten zog sich mehr als zwei Wochen hinund man kann sich denken, was für einen Eindruck dies auf die Armee desPrinzen Eugen machte. Es waren die ganze Tapferkeit und das Zutrauender Armee zum Prinzen Eugen dazu erforderlich, um nicht die moralischeKraft derselben zu erschüttern. Zu dem kam noch, dass Prinz Eugen EndeJuli erkrankte, zum Glück aber wieder bald genas und dem Kaiser schrieb,dass alle Massregeln zur Abwehr der Türken getroffen worden seien, wodurcher den Kaiser und Wien beruhigen wollte.
Den 3. August begann der Vezier die Linie und das Lager des PrinzenEugen zu beschiessen, welcher mit heftigem Gegenfeuer antwortete ; das Feuerder Türken verursachte jedoch grossen Schaden und Verlust, der noch be-deutender durch die in der Armee ausgebrochene Ruhr unter den Leuten unddie Seuche unter den Pferden wurde. Der Prinz Eugen that alles Mögliche, umdem Uebel abzuhelfen, sah aber deutlich, dass, wenn nicht bald dieser Lage