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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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VI. Prinz Eugen von Savoyen. 187

mit seiner ganzen Armee über die Donau und bezog ein Lager auf der andernSeite derselben vor Peterwardein, in denselben Befestigungen, die der GeneralCaprara im Jahre 1694 so tapfer vertheidigt hatte. Den 3. August nähertesich ihm der Grossvezier, der aber anstatt sofort sein Lager anzugreifen, gegenihn eine befestigte Linie in Art einer Parallele errichtete und es versuchte, abernicht vermochte, die Brücken über die Donau im Rücken des Prinzen Eugenzu zerstören. Da beschloss der Letztere die Türken seinerseits anzugreifenund stellte seine Armee in gewöhnlicher Schlachtordnung auf: die Infanteriein zwei Linien mit Reserve, unter Deckung der oben genannten Befestigungen,und die Reiterei an den Flanken, wo sie vor Umgehung gedeckt war, rechtsdurch steile unzugängliche Höhen, links durch Sümpfe. Die Stärke derTruppen betrug im Ganzen 72 Bataillone (41,000 Mann) und 187 Escadronen(22,000 Mann) , von denselben befehligte Heister die ganze Infanterie, Palffydie Cavallerie, und Spileni 25 Escadronen in der Reserve. Der Vezier seiner-seits stellte seine Armee ebenfalls in Schlachtordnung auf und vertraute dieFührung der Flügel den anatolischen und rumänischen Beglerbeg's an. Inder türkischen Armee waren 40,000 Janitscharen unter dem Befehle Hussein-Pascha's, 30,000 Spahis, 10,000 Tataren und einige tausend Walachen,Arnauten und Aegypter, im Ganzen gegen 150,000 Mann. Der grösste Theilder Reiterei stand gegen den linken Flügel des Prinzen Eugen, was grossenEinfluss auf den Verlauf der Schlacht hatte. Von ihrer schweren Artilleriekonnten die Türken nur drei Geschützbatterien und vier Haubitzen im Centrumund auf den Flügeln aufstellen. Den 5- August um sieben Uhr Morgens be-fahl der Prinz Eugen dem Prinzen Alexander von Würtemberg den Angriff mitsechs Bataillonen des linken Flügels zu eröffnen. Dieser Angriff, gleichzeitigmit dem Angriffe der Reiterei der linken Flanke ausgeführt, war so gelungen,dass die Türken an dieser Stelle sofort geworfen wurden und ihre Batterienverloren. Die aus ihren Befestigungen in acht Colonnen hervorbrechende In-fanterie des rechten Flügels aber wurde mit so heftigem Feuer aus den türki-schen Schanzen empfangen, dass die Bataillone in Verwirrung und Unordnunggeriethen und von den aus den Schanzen über sie herfallenden Janitscharenzurückgedrängt wurden, die gleich darauf in die Befestigungen selbst ein-drangen und sich derselben trotz aller Anstrengungen der Generäle Lanken,Wallenstein und Bonneval, die Janitscharen aufzuhalten, bemächtigten. Diebeiden zuerst genannten Generäle wurden getödtet, Bonneval aber mit 25,000Mann- schlug sich mit Ruhm durch. Dieser Erfolg der Türken hätte ihnenleicht zum Siege verhelfen können, wenn die Reiterei der rechten Flankedes Prinzen Eugen nicht alle Ueberfälle der türkischen Reiterei zurückgeschla-gen hätte. Der Prinz Eugen, der seine Geistesgegenwart nicht verloren hatte,bemerkte, dass die Türken in ihrem hitzigen Vordringen ihre linke Flanke bloss-stellten, und befahl sofort Palffy mit 2000 Mann Reiterei eiligst von der linkenFlanke auf die rechte überzugehen und die Janitscharen in der Flanke und im