VI. Prinz Eugen von Savoyen. 185
die kaiserliche Armee unter dem Befehle des Prinzen Eugen nur am Rheinvon den Grenzen der Schweiz an bis zu den Grenzen der Niederlande operiren,indem sie die Centralposition in den Ettlinger Linien einnahm. Ihr gegen-über auf der linken Seite des Rheins befand sich die 130,000 Mann starkeArmee Villars', anfangs bei Strassburg (d'Harcourt) und an der Saar (Besson),später von Villars bei der Festung Landau, die er blokiren wollte, concentrirt.Zu der Zeit hatte Prinz Eugen 60,000 Mann beiEttlingen gesammelt und hätte,indem er mit seinen Truppen auf das linke Rheinufer überging, die Blokirungvon Landau verhindern können. Aber wie ersichtlich, kannte er die AbsichtenVillars' nicht, oder er wartete noch die Ankunft seiner übrigen Truppen ab,und daher kam ihm Villars durch eigenen Uebergang mit einem Theile seinerTruppen (am 4. Juni) auf das rechte Rheinufer bei Fort Louis und durch Ab-sendung eines starken Reiterdetachements nach Rastatt zuvor, während seineHauptmacht sich auf dem entgegengesetzten linken Rheinufer concentrirte.Jedoch dies war nur eine Demonstration: Villars kehrte persönlich auf daslinke Rheinufer zurück und marschirte mit seiner Hauptmacht nach Speier, er-oberte es, blokirte den Brückenkopf von Philippsburg, schlug dort ein be-festigtes Lager auf, schnitt der Festung Landau jede Verbindung mit demRheine ab, eroberte den Brückenkopf bei Mannheim, schickte 80 Escadronennach Worms, belagerte und eroberte Kaiserslautern, mit einem Wort er ver-legte dem Prinzen Eugen gänzlich den Uebergang auf das linke Rheinufer,blokirte am 20. Juni und belagerte die Festung Landau und zwang sie am 20.August zur Uebergabe. Zu dieser Zeit war seine Armee schon auf die Zahlvon 200 Bataillonen und 300 Escadronen herangewachsen, und Prinz Eugen,der von den Reichsfürsten die zugesagten Verstärkungen für seine Armee nichterhielt, war gegen seinen Willen gezwungen, sich auf die passivste Defensivezu beschränken. Am meisten fürchtete er die Offensivoperationen Villars'gegen Freiburg auf seinem linken Flügel, daher entsandte er den General Vobonnemit 18,000 Mann, um die bei Freiburg wieder hergestellten befestigten Linienzu besetzen, und gegen Norden stellte er von dort die Vertheidigung von Peters-thal und der an dasselbe stossenden Berge sicher. Am 16. September sam-melte Villars seine Truppen theils gegen die Ettlinger Linien, theils beiRastatt, Hess aber inzwischen 40 Bataillone gerade nach Freiburg marschiren.Sie schlugen Vobonne aus den befestigten Linien heraus, welcher, nachdem erin Freiburg zwölf Bataillone zurückgelassen , mit den übrigen sechs nach Rott-weil marschirte. In der Nacht zum 1. October wurden gegen Freiburg dieTrancheen eröffnet, den 30. October zog sich die Garnison aus der Stadt in dieCitadelle zurück, und übergab dieselbe am 13. November nach hartnäckigemKampfe und erhielt freien Abzug nach Rottweil. Darauf bezogen beide Armeenweitläufige Quartiere und der Prinz Eugen ging auf den Vorschlag Villars',Friedensunterhandlungen anzuknüpfen, ein. Nachdem er aus Wien die Voll-macht dazu erhalten, kamen die beiden berühmten Gegner am 26. November