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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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184
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184 Beilagen.

Theil der französischen Nordgrenze: von der Seite der Sambre, und erachtetees zur Erleichterung des Marsches für nothwendig, zuerst die Festungen Quesnoyund Landrecies zu erobern und , nachdem er die erste Festung belagert, stattentscheidender Operationen von Neuem zu Belagerungen zu schreiten. AlsErklärung dieses Verhaltens kann einzig und allein das oben betreffs derwidrigen Verhältnisse einer Coalitionsarmee Angeführte sowie der Umstanddienen, dass in der unter seinem Befehle stehenden verbündeten Armee Un-einigkeit unter den Befehlshabern der verbündeten Truppen entstanden war.Inzwischen aber zwangen die geschickten, kühnen und entschiedenen OperationenVillars', die seinen Sieg bei Denain und die Eroberung von Marchiennes zurFolge hatten, den Prinz Eugen die Belagerung von Landrecies aufzuheben,sich nach Tournai zurückzuziehen und bis zum Ende des Feldzuges nichtsWichtiges mehr zu unternehmen , während Villars, der jetzt fast um 20,000Mann stärker war als die Verbündeten, den Feldzug durch Belagerung undEroberung von Douai, Quesnoy und Bouchain beendete. Folglich blieben alleVortheile auf Seiten des schwächern, sich vertheidigenden Villars, und alleNachtheile auf der Seite des starkem Prinzen Eugen, der, wie gesagt, ent-schlossen offensiv operiren musste und konnte, und daher gebührt die Ehredieses Feldzuges dem Rechte nach nicht ihm, sondern Villars. Aber es warnicht seine Schuld: niemals noch war er so gebunden durch die Widerwärtig-keiten und Nachtheile von Coalitionsarmeen, nie hat die Abhängigkeit von den-selben seine eigenen Absichten und Pläne in dem Grade in Nichts verwandelt,niemals noch hat das verrätherische Glück sich so plötzlich von einer Seiteauf die andere gewandt, wie in diesem Feldzuge. Aus den vom Prinzen Eugenhinterlassenen Erörterungen lässt sich mit Gründlichkeit schliessen, dass erpersönlich ganz andere Absichten für seine Operationen hatte, und wenn erdieselben hätte ausführen können, so hätte er vielleicht wichtige und glänzendeResultate erzielt. Aber positiv Alles war gegen ihn und das Glück wendeteihm den Rücken, ohne jedoch seinem Ruhm zu schaden. Davon kann mansich völlig aus der bis ins Einzelne gehenden Analyse seiner und Villars' Opera-tionen in diesem Feldzuge überzeugen. In Veranlassung der allerentsckieden-sten Operation dieses Feldzuges, der Schlacht bei Denain und aller derselbenvorhergegangenen Umstände, bemerkt General Lossau richtig: »Dies dient zurLehre, dass bei grossen Unternehmungen eine zu kleinliche Berücksichtigungeines jeden einzelnen Schrittes das Allerschädlichste ist, was bei der SacheAnwendung finden kann, und ein wahrhaftes Talent wird niemals mit solcherengen Anschauungsweise übereinstimmen.«

Der im Jahre 1713 in Utrecht zwischen England und Frankreich ge-schlossene Friede, dem auch die holländischen Generalstaaten beitraten, warungemein unvortheilhaft für den Kaiser, welcher daher beschloss den Krieg mitFrankreich allein fortzusetzen und nur auf die Neutralität Italiens und die zeit-weilige Uebergabe der Niederlande an Holland einging. In Folge dessen sollte