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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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182 Beilagen.

nackigen und geschickten Vertheidigung des Marschalls Bouffiers, wie dieFranzosen behaupteten, sondern viel eher in Folge der Fehler der verbündetenIngenieure. Dem Prinzen Eugen aber gebührt mit Kecht die Ehre einer er-heblichen Mitwirkung zur Eroberung einer so starken und wichtigen Festungdurch seine ungewöhnliche Thätigkeit.

Im Jahre 1709 beschränkte sich der ganze Feldzug auf das ManövrirenMarlborough's und des Prinzen Eugen mit einer nummerisch überlegenen Armee(anfangs 150,000 Mann, später bei Malplaquet 1 17,000 Mann), um die schwä-chere Armee Villars' (später Bouffiers' und Berwick's; am Anfange 60,000,später 100,000 und bei Malplaquet 81,000 Mann stark) zu zwingen, ihrestarke Defensivstellung aufzugeben und entweder sich zurückzuziehen odereine Schlacht anzunehmen, während Villars nur die Absicht hegte, die Opera-tionen der Verbündeten zu erschweren oder hinzuziehen. Dies führte nur zurEroberung von Tournai und Mons durch die Verbündeten und hierauf zurblutigen, aber in ihren Folgen unentschiedenen Schlacht bei Malplaquet, inwelcher die Verbündeten hauptsächlich, ja sogar ausschliesslich den Sieg demPrinzen Eugen, sowie dem Umstände zu verdanken hatten, dass Villars amAnfange der Schlacht schwer verwundet wurde. Aber der grosse Verlust, dendie Verbündeten erlitten und der sie schwächte, verhinderte sie, den Sieg aus-zunutzen , und die Eroberung der unwichtigen Festungen Tournai und Monskonnte die kolossalen Mühen und Opfer des Feldzuges nicht aufwiegen. Nachden Begriffen der Zeit hatte der Prinz Eugen, sowie Marlborough und Villarssehr geschickt manövrirt, sie haben aber, nach den unbedeutenden Erfolgen zuurtheilen, nichts oder äusserst wenig erlangt. Hinsichtlich des Prinzen Eugenselbst ist zu bemerken, dass er, sowohl im vorhergehenden als in diesem Feld-zuge, ausser durch die örtlichen Verhältnisse der Niederlande, die mitFestungenwie besät waren, und durch die falschen Kriegsbedürfnisse der Zeit auch nochdadurch ungemein gebunden war, dass die verbündete Armee aus verschieden-artigen Truppen vieler selbstständiger Staaten zusammengesetzt war, welcheArt Coalitionsheere, wie die Geschichte hinlänglich beweist, die allerungeeig-netste und unvortheilhafteste zu Kriegsoperationen ist. Es ist unzweifelhaft,dass der Prinz Eugen, wenn er selbstständig und unabhängig eine gleichartigekaiserliche Armee befehligt hätte, selbst in der Zeit und in einem solchenLande, wie die Niederlande , es verstanden hätte, kühn und entschlossen zuoperiren und wichtige Kesultate zu erzielen.

Im- Jahre 1710 war die politische Lage beider kriegführenden Parteiender Art, dass die Verbündeten in den Niederlanden aufs Entschiedensteoperiren mussten und konnten, mit der Absicht zu schlagen, die Franzosendagegen auf die vorsichtigste Art defensiv, mit der Absicht dem Kampfe aus-zuweichen. Allein ganz das Gegentheil trat ein: Marlborough und der PrinzEugen belagerten und eroberten nur die unwichtigen Festungen Douai, Bethune,Aire und St. Venant und wichen beständig dem Kampfe aus; Villars hingegen,