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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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VI. Prinz Eugen von Savoyen. 181

landen oder am mittlem oder untern Rhein operirten, wo ein reiner Festungs- undBelagerungskrieg, verbunden mit Manövriren und einigen mehr oder minder wich-tigen Schlachten, geführt wurde. Im Jahre 1708 kam der Prinz Eugen mit35,000 Mann aus Koblenz nach Brüssel nach der Schlacht bei Oudenaarde(11. Juli) , in welcher Marlborough die französische Armee unter dem Herzogvon Bourgogne und Vendöme geschlagen hatte. Prinz Eugen und Marl-borough hatten 120,000 Mann zwischen zwei französischen Armeen, sieschlugen aber dieselben nicht einzeln, da sie in ihren Meinungen auseinander-gingen. Marlborough wollte geradezu in Frankreich eindringen, Prinz Eugenanderseits schlug vor, vorher noch irgend eine grosse Festung zu erobern unddiese zum Hauptstütz- und Niederlagepunkt zu machen. In Folge dessen be-lagerte der Prinz Eugen Lille und Marlborough deckte die Belagerung. ImOctober ergab sich die Festung und die Verbündeten befanden sich aufs Neuezwischen zwei französischen Armeen und benutzten wiederum diesen Umstandnicht, um sie einzeln zu bekämpfen, sondern nach der Uebergabe der Citadellevon Lille bezogen die beiderseitigen Armeen Winterquartiere.

Zur Erläuterung der Operationen des Prinzen Eugen in diesem Feldzugeist Folgendes zu bemerken:

Nach erfolgter Vereinigung Marlborough's und des Prinzen Eugen, nachder Schlacht bei Oudenaarde, an 120,000 Mann stark, zwischen zwei ge-trennten französischen Armeen, von welchen eine geschlagen worden war, wares augenscheinlich das Natürlichste, die eine wie die andere getrennt zu schla-gen und dem Kriege eine entscheidende Wendung zu geben. Aber weder Marl-borough noch der Prinz Eugen wählten diese Operationsart, sondern statt dessenwollte der Erstere sofort in Frankreich einfallen, was nach den Ansichten derdamaligen Zeit sehr kühn, sogar sehr gewagt, aber mehr den gesunden Be-griffen über den Krieg sowie den Umständen selbst entsprechend war; PrinzEugen dagegen zog es vor, vorher irgend eine grosse Festung als Niederlage-und Stützpunkt zu erobern, was mehr mit den Begriffen der damaligen Zeitübereinstimmte, aber freilich sehr vorsichtig und nicht entschlossen genug war;daher scheint es einigermassen seltsam und sonderbar seitens eines geschickten,erfahrenen, energischen und entschlossenen Feldherrn, wie es Prinz Eugen war,der schon mehr als einmal den Beweis geliefert hatte, dass er über den falschenBegriffen und Vorurtheilen seiner Zeit stand, wenngleich er bisweilen wohl oderübel sich ihnen fügen musste. Es ist unzweifelhaft, dass zwei so tüchtigeFeldherren, wie Marlborough und Prinz Eugen, zu der Zeit triftige Gründehatten, Lille zu belagern; trotzdem beschränkte sich das Resultat des Feldzuges,der entschiedene Folgen versprochen hatte und auch hätte haben können, aufdie Eroberung von Lille! So war es grösstenteils in den Kriegen jener Zeit,die der Sache nach auf ganz falsche Grundlagen basirt geführt wurden. DieHauptoperation des Prinzen Eugen in diesem Feldzuge war die Belagerung vonLille. Sie dauerte lange, nicht durch seine Schuld und in Folge einer hart-