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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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178 Beilagen.

versorgen, niemals stand er aus Verpflegungsrücksichten von seinen beschlos-senen Unternehmungen ab und niemals befand er sich in schwieriger Lage hin-sichtlich der Verpflegung, da er ausgezeichnet die Regel Cäsar's kannte undverstand: der Krieg nährt den Krieg, und dieser Regel folgte.

Als der Prinz Eugen nach Beendigung des Feldzuges von 1705 nachWien zurückkehrte, fand er den Kaiser Leopold L, unter dessen Regierung ei-serne glänzende Laufbahn begonnen und der so gnädig gegen ihn gewesen war,bereits nicht mehr am Leben. In seinem Nachfolger, dem Kaiser Joseph I.fand er ein eben so gnädiges Wohlwollen für sich, Erkenntlichkeit seiner Ver-dienste und Bestätigung seiner Vorstellung hinsichtlich der Verstärkung derArmee in Italien, wohin alsbald zahlreiche Verstärkungen gesandt wurden.Im April 1706 begab sich Prinz Eugen aus Wien nach Italien und kam inRoveredo zu derselben Zeit an (19. April), als Vendome plötzlich die Quartiereder kaiserlichen Armee in Monte Chiaro und Calcinato überfallen hatte, inFolge dessen der die Armee befehligende General Reventlow gezwungen wor-den war, in Verwirrung, Unordnung und mit ziemlich grossem Verlust sich indie Berge zurückzuziehen. Ein solcher Anfang des Feldzuges war sehr un-günstig , aber der weitere Fortgang und besonders das Ende desselben fiel aufdas Allerglänzendste für den Prinzen Eugen aus, und dieser Feldzug istunstreitig einer seiner allerbesten und bemerkenswerthesten. In dem-selben besiegte er einen mehr als doppelt stärkeren Feind, erfocht einenglänzenden Sieg, rettete den Herzog von Savoyen, unterwarf ganz Italien undverlegte den Krieg nach Süd-Frankreich. In Anerkennung dieser Verdiensteernannte ihn Joseph I. zum General-Capitain (General-Gouverneur) desHerzog-thums Mailand.

Besonders bemerkenswerth ist in diesem Feldzuge die Vereinigung einesungewöhnlichen Glückes oder Gelingens mit der Geschicklichkeit seitens desPrinzen Eugen. Aber auch das Glück oder das Gelingen war nichts Anderemals der Geschicklichkeit des Prinzen zuzuschreiben, namentlich auch dem Um-stände , dass er keinen Fehler seines Gegners durchliess, ohne denselben zuseinen Gunsten auszubeuten. Dies war der Grund, dass alle seine ausgezeich-neten Operationen ihm gelangen, wie: der Marsch am linken Etschufer ab-wärts , die Uebergänge über diesen Fluss in Badia und über den untern Po inPolesella, der Marsch auf dem rechten Poufer aufwärts nach Piemont und dieVereinigung mit dem Herzoge von Savoyen. Die Fehler Vendöme's, seineAbberufung nach Flandern, die Ernennung der unfähigen Feldherren, desHerzogs von Orleans undMarsin's an seiner Statt, und die von ihnen begangenengrossen Fehler — dies Alles kam vorzüglich dem Prinzen Eugen zu Hülfe,seine Kunst aber bestand namentlich darin, dass er Alles dies ausgezeichnet zubenutzen verstand. Das Glück erlaubte ihm zunächst den ungemein wichtigenPunkt Stradella zu besetzen, aber auch dies verdankte er seinem entschlossenenund schnellen Marsche, und mit dem einen Ziel im Auge: so schnell wie möglich,