VI. Prinz Eugen von Savoyen. 175
als sich hinter den Fluss Oglio zurückzuziehen, so Verstandes der Prinz Eugen,dieses zu benutzen, und durch die Besetzung der Herzogtümer Mantua, Parmaund Mirandola bis zum Ende des Feldzuges sich das Uebergewicht zu er-halten.
Obgleich im folgenden Feldzuge von 1702 der Prinz Eugen den grösstenTheil seines Kriegsschauplatzes einbüsste und sich nur auf den kleinen Länder-strich von Mirandola beschränkt sah, so ist dieser Feldzug doch nichts destoweniger sehr unterhaltend und belehrend und gereicht dem Prinzen Eugen,der in demselben grosse Geschicklichkeit bewies, zur Ehre.
Prinz Eugen, der beständig zwei Mal schwächer als Vendome war, nurmit Mühe seine Communicationen mit Tirol und Oesterreich aufrecht erhieltund schliesslich ganz von denselben abgeschnitten war, der gegen sich einezwei Mal stärkere , von einem geschickten Feldherrn geführte Armee hatte,welcher durch beständiges Manövriren zum Zwecke von Umgehungen ihn vonder linken, dann von der rechten Seite und endlich ganz aus Italien zuverdrängen suchte, operirte würdig mit allen Mitteln seinem Gegner gegenüberund vermochte sich in Italien zu halten. Indem er bedeutend besser als Ven-döme und die Franzosen die Gegend und Oertlichkeit kannte, auf seiner Seitedie Einwohner und ausgezeichnete Kundschafter hatte, rechtzeitig von allenHin- und Hermärschen , ja sogar von den Absichten des Feindes erfuhr, dabeiin seiner Armee sowie in den Lagern und Garnisonen einen ausgezeichnetorganisirten Vorpostendienst aus leichten Truppen hatte, verstand es der PrinzEugen, bei seinen persönlich geschickten Combinationen und der Ausführungderselben, immer seinen Nachtheil gegen die Vortheile Vendöme's auszugleichenund das geschickte Manövriren des Letzteren durch nicht weniger, ja bisweilennoch geschickteres Gegenmanöver zu paralysiren, und selbst im bedrängten undschweren Verteidigungszustände, immer den kühnen Offensivcharakter derOperationen und die ganze Freiheit der Initiative zu bewahren. Um sich da-von zu überzeugen, braucht man nur alle seine Märsche und Aufstellungen aufeiner topographischen Karte im grossen Massstabe zu verfolgen und dann wirdman einen klaren Begriff davon bekommen, dass seine Bewegungen geschicktberechnet gewesen, seine Positionen sowohl in taktischer als in strategischerHinsicht ausgezeichnet gewählt waren. Mit einem Worte — seine und Ven-döme's Operationen 1702 in Italien, können der Aehnlichkeit wegen , mit den(nach den Begriffen der damaligen Zeit) meisterhaften Operationen Turenne'sund Montecuculi's in den Jahren 1673 und 1675 in Deutschland und amEhein, gleichgestellt werden, nur mit dem Unterschiede, dass im Jahre 1702der Zweck des Prinzen Eugen und Vendöme's viel bedeutender und wichti-ger war.
Sehr bemerkenswerth ist die Lage des Prinzen Eugen im Jahre 1702 inItalien auch hinsichtlich der Verpflegung seiner Armee, der Beschaffung vonLeuten, Pferden, Kriegsbedarf und allem übrigen zum Kriegführen Noth-