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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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174 Beilagen.

Westen, wenn auch im kleinern Massstabe, verglichen und gereicht dem PrinzenEugen in Wahrheit zu grosser Ehre und zeugt von seiner grossen Begabungals Feldherr.

Darauf verstand und vermochte der Prinz Eugen ungemein geschicktund mit Erfolg den Marschall Catinat zu täuschen uud ihn zu zwingen, seineArmee auf der ganzen Strecke von Rivoli an längs dem rechten Etschufer bisunterhalb Verona auszudehnen , was dem Prinzen Eugen die Möglichkeit bot,mit der Armee bei Castelbaldo über die untere Etsch zu gehen und sich auf demrechten Flügel der Armee Catinat's aufzustellen. Nur die schlechten Wegeund die Erwartung der Ankunft der Belagerungsartillerie hielten ihn auf underlaubten ihm nicht die Armee Catinat : s in ihren einzelnen Theilen zu schlagen.Somit gehört der Uebergang des Prinzen Eugen über die Alpen und dann überdie untere Etsch in der Flanke der Armee Catinat's durch seine Geschicklich-keit zu den bemerkenswerthesten Märschen.

Catinat wurde bald darauf durch den unfähigen Villeroi und, nachdemdieser im Anfange des Feldzuges von 1702 in Cremona vom Prinzen Eugengefangen genommen worden war, durch den nicht weniger als Marschall Ca-tinat befähigten Herzog von Vendöme ersetzt. Noch vor dem Kriege bestimmtePrinz Eugen vergleichsweise den Werth dieser Feldherren sehr richtig durchfolgenden Ausspruch: »Wenn Villeroi mir gegenüberstehen wird, werde ichihn schlagen, wenn Vendöme, so werde ich mit ihm kämpfen , wenn aber Ca-tinat, so wird er mich schlagen.« Catinat hat ihn jedoch nicht geschlagen undwäre fast selbst geschlagen worden; Villeroi wurde gefangen genommen, undmit Vendöme hat er in der That wie ein Gleicher mit Gleichem gekämpftund zwar erfolglos, weil er gezwungen war, das linke Poufer zu räumen undauf das rechte Ufer sich zurückzuziehen, die Communicationen verlor und sichkaum im Gebiete von Mirandola hielt.

Ohne in die Details der ferneren Operationen des Prinzen Eugen gegenVilleroi im Feldzuge von 1701 einzugehen, lässt sich im Allgemeinen sagen,dass dieselben sich durch grosse Geschicklichkeit bis in die kleinsten Einzel-heiten auszeichneten und als Resultat der Operationen einen vollständigen Er-folg für den Prinzen Eugen und ein völliger Misserfolg für Villeroi sich ergab.Die Thätigkeit des Prinzen Eugen in diesem Feldzuge und seine Geschicklich-keit , die Fehler seiner Gegner sich zu Nutze zu machen , verdienen jeglichesLob. Bemerkenswerth ist es, mit welcher Sicherheit er die Umstände, inwelchen sich Catinat befand, beurtheilte und aus den ersten Anzeichen seinerVorsichtsmassregeln Schlüsse zog. Alle seine Anordnungen zum Marsche nachder untern Etsch hin, zum Uebergange über dieselbe und darauf zum Marscheoberhalb auf dem linken Ufer des Flusses bezeugen, bis zu welchem Grade erbefähigt war, diese mit Erfolg auszuführen. Nach der Schlacht bei Chiari wares für den Prinzen Eugen schwer, anders zu verfahren, als die weitern Opera-tionen Villeroi's abzuwarten. Als aber der Letztere nichts Besseres ersann,