Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
Entstehung
Seite
173
Einzelbild herunterladen
 

VI. Prinz Eugen von Savoyen. 173

geschehen sollte. Inzwischen hatten die Bevollmächtigten von beiden Seitenin Karlovicz bereits ihre Unterhandlungen begonnen und bald darauf wurdedenn auch zunächst ein Waffenstillstand und dann ein Friede geschlossen, derdem Kriege Oesterreichs mit der Türkei ein Ende machte, und Prinz Eugenkehrte nach Wien zurück.

Seine darauf folgenden Kriegsoperationen im spanischen Erbfolgekriege(17001713) sind oben beschrieben worden (im Kap. IV. §§. 3746).

Zur Ergänzung wollen wir noch einige Züge, die zur Charakteristik desPrinzen Eugen während seiner in diesem Kriege unternommenen zwölf Feld-züge dienen, hinzufügen.

Lange Zeit bereits vor Beginn des spanischen Erbfolgekrieges schlugPrinz Eugen dem Kaiser Leopold I. in einer Versammlung seines geheimenRathes vor, den Erzherzog Karl nach Madrid zu senden, damit er durch seineAnwesenheit dem Könige Karl II. von Spanien, der schon dem Tode nahe war,die Bechte des Hauses Oesterreich auf den spanischen Thron in Erinnerungbringe und dadurch den Ansprüchen und Intriguen Anderer vorbeuge. Zu-gleich sprach Prinz Eugen die Meinung aus, dass ein kaiserliches Heer in dieLombardei gesandt werden müsse, um dort mit Einwilligung des Königs vonSpanien alle Festungen zu besetzen. Aber einige Mitglieder des Rathes, wahr-scheinlich aus Neid und Missgunst gegen den Prinzen Eugen, verwarfen seinenweisen Bath, die Mehrzahl der anderen, nicht einsichtsvollen Mitglieder,schlössen sich den Gegnern des Prinzen an und Leopold I. , der sich selbstungemein wenig und Andern ungemein viel zutraute, stimmte zum Bedauernder Mehrzahl bei.

Als aber am 1. November 1700 Karl II. starb und der Krieg die Erb-schaftsfrage entscheiden sollte, ernannte Leopold I. den Prinzen Eugen zumObercommandirenden der Armee in Italien, die in der Stärke von 19,200Mann Infanterie, 10,000 Mann Reiterei mit der nöthigen Artillerie, im Ganzengegen 30,000 Mann, sich beiRoveredo sammelte. Der Prinz Eugen kam dortden 20. Mai an, beschloss sofort einen Flankenmarsch von Roveredo nachVerona auszuführen, durch eine Gebirgsgegend, wo zur Zeit weder Fahr-wege noch Saumpfade vorhanden waren, und die von hohen und steilen Felsen,tiefen Abgründen und von reissenden Gebirgswässern durchschnitten war.Aber Prinz Eugen bahnte sich, wie Hannibal, wenngleich mit unsäglichen Be-schwerden und Mühen einen Weg durch diese unwegbare Gegend, in der Rich-tung links von Roveredo zum Thal von Sugana und von dort durch Bergpässevon Berg zu Berg über Valfedo und Ala auf die Ebene von Verona. Dabeiwurden die Geschütze und Wagen in Theile auseinandergenommen, und theilsauf Händen, theils mit Stricken über Felsen und Abgründe heriibergesebafft.Und alles dies bewerkstelligte er in einer Woche, denn am 28. Mai war dieArmee schon in der Nähe von Verona! Dieser sein Uebergang über die Alpenwird nicht mit Unrecht mit dem Uebergange Hannibals über die Alpen im