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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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172
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172 Beilagen.

Unwillen und die Stadt sandte an ihn eine Deputation ab mit dem Ausdrucketiefer Ergebenheit, ja sogar mit dem Vorschlage ihn zu beschützen. Der PrinzEugen aber dankte der Deputation und sagte, dass er keines anderen Schutzesbedürfe als der Gerechtigkeit seiner Sache, und dass der Kaiser eine viel zuerhabene Denkungsweise habe, um nicht die Wahrheit von der Verleumdungunterscheiden zu können und ihm Gerechtigkeit, die er seiner Meinung nachwohl verdient habe , widerfahren zu lassen. Die öffentliche Meinung und all-gemeine Erkenntlichkeit für den würdigen siegreichen Feldherrn behielten zu-letzt die Oberhand. Als Caprara im Hofkriegsrathe dem Kaiser den Vor-schlag machte, den Prinzen Eugen vor ein Kriegsgericht zu stellen, entgeg-nete Leopold: »Möge mich Gott bewahren, mit demjenigen, durch den mir derHimmel so viel Glück gesandt, wie mit einem Verbrecher zu verfahren. Wiekann wohl derjenige strafwürdig sein, der das Werkzeug zur Bewältigung derUngläubigen geworden ?«

Caprara war dadurch zum Schweigen genöthigt, und Prinz Eugen hatniemals späterhin gegen ihn Hass gehegt, noch sich an ihm gerächt. DerKaiser söhnte sich vollständig mit dem Prinzen Eugen aus, und Letztererwurde noch eifriger im Dienste des Kaisers. Ihm wurde von Neuem derOberbefehl über die Armee in Ungarn für das nächste Jahr anvertraut undsogar, auf seine Bitte, in Zukunft mit völliger Unabhängigkeit vom Hofkriegs-rathe und mit völliger Selbstständigkeit in seinen Handlungen nach eigenerAnschauung. Dieses diente unzweifelhaft als Basis zur Grösse und zumGlücke des Prinzen Eugen, die im Laufe seines übrigen Lebens dem HauseOesterreich Siege errungen.

Jedoch im folgenden, letzten Feldzuge gegen die Türken im Jahre 1698ereignete sich nichts besonders Wichtiges und Bemerkenswerthes. Der Rijs-wicker Frieden befreite Leopold I. von seinen Gegnern in West-Europa under konnte seine ganze Macht gegen die Türken wenden. Dies bewog denSultan Mustapha II. alle Mittel aufzubieten, um eine zahlreiche Armee auf-stellen izu können, inzwischen aber auch den Friedensvorschlägen der ver-mittelnden Mächte Gehör zu geben. Im Frühjahre eoncentrirten sich die kai-serlichen Truppen bei Salankemen zwischen Peterwardein und Belgrad, unddie türkischen bei letzterer Stadt, in einem stark befestigten Lager. Der PrinzEugen näherte sich der Theiss, aber da wider sein Erwarten die Türken ihrLager nicht verliessen, wollte er Temesvar belagern, um die InsurgentenOber-Ungarns und Siebenbürgens daran zu hindern, die Türken zu verstärken.Doch gab er diesen Plan wieder auf, weil die Garnison von Temesvar bedeu-tende Verstärkungen erwartete und die Belagerung dieser Stadt sehr viel Zeiterfordert hätte, sowie den Einfall in Bosnien, wo schon starke Vertheidigungs-massregeln getroffen waren. Eine Expedition, die zur Wegnahme einesgrossen türkischen Transportes unternommen worden war, hatte keinen Erfolgin Folge des Verrathes eines Ueberläufers in derselben Stunde, wo der Angriff