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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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VI. Prinz Eugen von Savoyen. 171

grössten Theil seiner Armee in Winterquartiere zu legen, und beschloss miteinem Detachement von 2500 Mann Infanterie und 4000 Mann Keiterei mitzwölf Geschützen und zwei Mörsern eine Expedition nach Bosnien zu unter-nehmen, wo die Türken keinen Ueberfall erwarteten, und dort die HauptstadtBosna-Seraj zu erobern. In Folge dessen marschirte er am 6. October überEssek und die bosnische Grenze und entsandte zwei starke Detachements,rechts nach Banjaluka und links nach Swornik. Sie fanden tiberall den Feind,der keinen Ueberfall erwartete, in vollständiger Ruhe und Sicherheit. Gleichdarauf befahl Prinz Eugen das Schloss Doboi, zwei Meilen von Brod entfernt,zu erobern, marschirte am 15. October aus Perchatonza nach Ussor am FlusseBosna und nachdem er ein leichtes Detachement, das Maglaj genommen, vor-ausgeschickt hatte, erfuhr er, dass die türkischen Truppen sich nach Prosla-witz zurückgezogen hätten. Darauf wandte er sich nach Szedekbany, nahmdie dort befindliche Festung aus Pfahlwerk ein und zog weiter nach Branduk.Der hier postirte türkische Kiaja ergriff die Flucht, und Prinz Eugen mar-schirte über den Fluss Bosna nach Bosna-Seraj und entsandte einen Parla-mentair nach der Stadt mit der Aufforderung zur Uebergabe. Der Parla-mentair aber wurde verwundet, der Trompeter getödtet und Prinz Eugen liesszur Strafe dafür seine Tiuppen gegen die Stadt (die ungefähr 30,000 Ein-wohner zählte) heranrücken, hatte aber verboten die Häuser (Lehmhütten)einzuäschern. Dessen ungeachtet brach Feuer aus, und die ganze Stadtbrannte nieder und wurde geplündert, die türkische Besatzung jedoch zog sichin das sehr stark befestigte Schloss oder Citadelle zurück. Da nun aber dieBelagerung des Schlosses viel Zeit erfordert hätte, und es schon spät im Jahrewar, so marschirte Prinz Eugen nach Ungarn zurück, schleifte auf dem Wegealle eroberten Befestigungen und liess sein Corps Winterquartiere beziehen.Seine ganze Expedition nach Bosnien daueite insgesammt achtzehn Tage undsein Verlust betrug nur 40 Mann. Darauf begab er sich nach Wien und aufdem ganzen Wege dorthin und besonders in Wien wurde ihm seitens der Be-völkerung der begeistertste Empfang als Vertheidiger und Erretter Oester-reichs zu Theil. Bei Hofe war es aber nicht so, hier zog ein Gewitter gegenihn auf. Seine Feinde und Neider, an ihrer Spitze die Generäle Veterani undCaprara, die vor ihm in Ungarn mit grössern Streitkräften viel weniger aus-gerichtet hatten, hetzten den Kaiser gegen ihn auf. Besonders Caprara stelltevor, dass der Sieg den offenen Ungehorsam dem Willen des Kaisers gegenübernicht rechtfertigen könne. In Folge dessen empfing der Letztere den PrinzenEugen sehr kalt und hörte schweigend seine mündliche Erläuterung bei Vor-legung des beim Grossvezier erbeuteten Staatssiegels an. Prinz Eugen, derüber solchen Empfang sehr verwundert war, wurde, nach Hause zurückgekehrt,bald darauf im Namen des Kaisers verhaftet, was ihn zwar sehr schmerzlichberührte, allein, von seinem Rechte überzeugt, behielt er seine vollständigeSeelenruhe. Unter den Bewohnern Wiens erregte diese Verhaftung grossen