Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
Entstehung
Seite
170
Einzelbild herunterladen
 

170 Beilagen.

Stunde die äussern und bald darauf die innern Erdaufwürfe und den Brücken-kopf. Die Verwirrung und Unordnung der Türken wurde immer grösser underreichte den höchsten Grad bei der Brücke und zugleich auch der Verlust derTürken. Die sturmenden Truppen kämpften mit Erbitterung, gaben keinenPardon und erst spät in der Nacht konnte man sie sammeln und ordnen, undPrinz Eugen führte sie aus dem eroberten Lager heraus und liess sie vor dem-selben unter freiem Himmel lagern. Der Sieg war ganz und vollständig.Gegen 20,000 Türken waren auf der Wahlstatt geblieben, darunter vielePascha's und der Grossvezier. Das ganze Lager auf der andern Seite derTheiss und in demselben eine ausserordentlich reiche Beute fiel in die Händeder Sieger, desgleichen 100 grosse und 00 kleinere Geschütze, hunderte vonFahnen, Feldzeichen, Eossschweifen u. a. m. Der Sultan floh mit dem Besteseiner Armee nach Temesvar. Der Verlust der kaiserlichen Armee belief sichnur auf 430 Mann Todte und 1600 Mann Verwundete. , Es ist wahrscheinlich,dass der grösste Theil der türkischen Armee schon über die Brücke hinter dieTheiss zurückgegangen war, als der Angriff erfolgte, denn sonst hätten dieTürken einen noch grösseren Verlust erlitten. Prinz Eugen selbst glaubte,dass er es nur mit derArrieregarde der türkischen Armee zu thun gehabt habe,und beschleunigte deshalb sowohl den Angriff wie das Beschiessen der Brückevon seinen beiden Flanken aus. Wenngleich, nach Aussage der Gefangenen,im befestigten Lager diesseits der Theiss sich ihre ganze Infanterie befundenhat und jenseits nur einige tausend Mann Truppen beim Sultan gewesen sind,so hat sich die türkische Armee, wenn man ihren Verlust vom Anfange biszum Ende des Sturmes an Gefallenen nach Angabe des Prinzen Eugen auf circa10,000 Mann, nach anderen Historikern auf circa 20,000 Mann, und die Ge-fangenen nur auf circa 3000 Mann veranschlägt, bei einer Gesammtstärke derArmee von nicht über 7080,000 Mann, in der Stärke von 50,000 Mannhinter die Theiss gerettet.

Dies war der erste grosse Sieg, den der Prinz Eugen als Oberbefehlshabereiner abgesonderten Armee erfochten hatte. Derselbe gereicht ihm zu um sogrösserer Ehre, als er im Voraus wusste, welcher Verantwortlichkeit er sich,selbst im Falle eines gänzlichen Gelingens, unterzog und welcher Gefahr erseine vierzehnjährige, durch Erfolge gekrönte kriegerische Lauf bahn aussetzte.Dass ihn aber dies nicht in seinem festen Entschluss wankend machte, kenn-zeichnet eine Seelengrösse, die nur aussergewöhnlichen Menschen eigen ist.Nach dreitägiger Erholungsrast marschirte Prinz Eugen den 15. Septembernach Temesvar, von wo der Sultan sich schon nach Belgrad begeben hatte.Aber Regengüsse und der schlechte Zustand der Wege erschwerten aufsAeusserste den Marsch der Armee und besonders der Artillerie und des Trains;ausserdem wurde bekannt, dass die Türken in Temesvar eine starke Besatzungzurückgelassen, in Folge dessen die Belagerung sehr viel Zeit in der aller-schwierigsten Jahreszeit erfordert hätte. Daher zog es Prinz Eugen vor, den