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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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VI. Prinz Eugen von Savoyen. 169

Eugen, dass er beschlossen, bei der ersten günstigen Gelegenheit die Türkenanzugreifen. Man erzählt, dass Prinz Eugen über solch eine Ordre sehr er-staunt gewesen sei und dies mit Recht. Freilich, wenn seine Armee ge-schlagen worden wäre, so wären die Folgen für Oesterreich äusserst schädlichund gefährlich gewesen, umsomehr da keine andere Armee in der Nähe war.Aber das Geschlagenwerden der kaiserlichen Armee setzte entweder ein unge-gewöhnliches Unglück des Prinzen Eugen oder noch mehr, einen gänzlichenMangel an Geschicklichkeit seinerseits voraus; allein weder das Eine noch dasAndere liess sich seitens eines so erfahrenen, geschickten und glücklichenFeldherrn voraussetzen. Ja selbst im Falle, dass sein Angriff zurückge-schlagen worden wäre, wäre noch nichtAUes verloren gewesen, er hätte schongewusst, was zu unternehmen, wie zu helfen gewesen wäre, um den Unfallwieder gut zu machen.

Und so beschloss Prinz Eugen das Begonnene fortzusetzen und bewiesdadurch ungewöhnliche Entschlossenheit, was wohl nicht jeder andere Feldherran seiner Stelle gethan hätte. Solche Augenblicke schneller und fester Ent-schlossenheit namentlich kennzeichnen die ungewöhnlichen Feldherren. Nach-dem er der Infanterie befohlen hatte zu deployiren und sich zu erholen , ginger selbst mit einigen Dragoner-Regimentern voraus, um die Positionen und dasLager der türkischen Armee zu recognosciren. Diese war vor der Brückeüber die Theiss in einem grossen Bogen aufgestellt, dessen Enden an den Flussstiessen und mit Erdaufwürfen umgeben waren, mit einem innern Brückenkopf,welcher mit den äussern Erdaufwürfen durch einige Linien oder Trancheenverbunden war, die den inuern Flächenraum in einige Abtheilungen theilten.Die türkischen Erdaufwürfe und Befestigungen waren mit 100 Geschützenarmirt und auf der Theiss befanden sich viele Fahrzeuge und hinter denselbenauf dem andern Ufer die Truppen. Der Flecken Zenta befand sich nicht weitvon der rechten Flanke der Türken. Die türkische Armee war zweimal sostark, wie die Armee des Prinzen Eugen.

In Folge dieser Recognoscirung schob der Prinz Eugen seinen rechtenFlügel bis zur Theiss vor und befahl der übrigen Armee, durch Schwenkungder ganzen Linie nach rechts, das türkische Lager zu umstellen. Beim An-fange der Bewegung bemerkte, er, dass die Türken sich anschickten über dieBrücke zu gehen, er liess ihnen aber dazu keine Zeit. Er selbst befehligtedas Centrum, Graf Starhemberg den rechten und General Rabutin den linkenFlügel. Bis zum Anbruch der Nacht hatte man nur noch drei bis vier StundenZeit. Die Türken schickten zuerst aus dem Lager 2000 Mann Reiterei, aberdiese wurden zurückgeschlagen und verjagt. Darauf erfolgte der Angriff desLagers, zuerst vom linken Flügel aus, und dann vom Centrum und rechtenFlügel zu gleicher Zeit. Der erste Widerstand der Türken war ziemlich hart-näckig, aber ihr excentrisches Feuer hatte keine solche Wirkung wie das con-centrische der kaiserlichen Armee. Die Letztere stürmte nach Verlauf einer