168 Beilagen.
Kara Mustapha hatte die Absicht, mit der einen Hälfte seiner ArmeePeterwardein zu belagern, und befahl dem Grossvezier mit der andern Hälfteauf dem linken Donauufer die Belagerung zu decken. Der Letztere standzwischen Titel und Peterwardein, bemerkte aber nicht den Marsch der kaiser-lichen Armee von Szentes (unter Umgehung seiner linken Flanke) nach Peter-wardein. "Wenngleich Rabutin sich dem Prinzen Eugen angeschlossen hatte,so war Letzterer doch bedeutend schwächer als die Türken und daher ge-zwungen abzuwarten, bis irgend welche günstigen Umstände es ihm gestattenwürden, etwas Wichtiges gegen die Türken zu unternehmen.
Der Sultan, der sich überzeugt hatte, dass die Belagerung Peterwardeinsfür ihn unmöglich sei, ging auf das linke Donauufer über und beabsichtigte,wie es schien, nach Szegedin zu marschiren. Prinz Eugen beschloss ihm zufolgen und indem er am 8. September aus Peterwardein über die Brücke nachNeusatz ging, gelangte er am 9. in die Umgegend von Becs (Eacz-Becs), wo ererfuhr, dass der Sultan sich gegen Szegedin gewandt hätte. Er sandte zurVerstärkung der letzteren Stadt ein kleines Detachement Reiterei und 1700Mann Fussvolk und folgte am 10. der Verstärkung mit seiner ganzen Armeein 12 Colonnen nach; am 11. erfuhr er von Gefangenen, dass der Sultan, aufden Rath des Grafen Tököly und der aufständischen Ungarn sich entschlossenhabe, Szegedin zu belagern, als er aber von der Verstärkung Szegedins unddem Heranrücken des Prinzen Eugen aus Peterwardein Kunde erhalten, habeer von der Belagerung Szegedins abgesehen, sei bei Szentes stehen gebliebenund habe beschlossen, von hier über die Theiss zu gehen und nach Ober-Ungarn und Siebenbürgen zu marschiren, welche Länder von Truppen ent-blösst waren, und das eine wie das andere zu verwüsten, damit die kaiserlicheArmee nicht dort bequartiert und verpflegt werden könne; und endlich, dassder Sultan mit 1000 Mann Reiterei auf das linke Theissufer übergegangen undder Grossvezier mit der ganzen Armee im stark befestigten Lager bei Szentesgeblieben sei.
Aus diesen Nachrichten gewann Prinz Eugen die Ueberzeugung, wiewichtig es sei, die Türken anzugreifen, ehe sie ihren Uebergang über die Theiss.beendet. Daher liess er sofort die Armee nach Szentes vorrücken, ging per-sönlich mit der Reiterei voran und näherte sich den 11. September 2 UhrNachmittags den Türken auf eine Entfernung von einer Stunde (circa fünfWerst). Zu derselben Zeit langte aus Wien ein Courier mit einer Depeschevom Kaiser an. Einer seiner Biographen sagt, dass er die Depesche ent-siegelte, ein anderer hingegen, dass er dem Courier gesagt habe, er könne dieDepesche nicht öffnen, da er in derselben Minute die Türken anzugreifen ginge.Nach dem Charakter des Prinzen Eugen zu urtheilen, scheint das Letzterewahrscheinlicher, da er den Inhalt der Depesche errathen konnte. In derThat war in derselben das ausdrückliche Verbot sich mit den Türken in eineSchlacht einzulassen, enthalten, als Antwort auf den Bericht des Prinzen