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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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VI. Prinz Eugen von Savoyen. 165

denselben Frankreich grosser Schaden zugefügt worden, weil im südlichenFrankreich weder Truppen noch grosse Festungen vorhanden waren und dieArmee des Herzogs von Savoyen unbehindert bis Marseille oder Lyon hättevordringen können. Aber zu derselben Zeit erkrankte der Herzog von Sa-voyen schwer an den Blattern und traf sogar Anordnungen für den Fall seinesTodes, wobei er den Prinzen Eugen zum Regenten bis zur Mündigkeit desThronfolgers ernannte. Daher wurde der Marsch der Truppen in die Dauphineeingestellt und die Armee kehrte Ende September auf demselben Wege zurück,nachdem sie in der Dauphine eine Million Livres Contribution erhoben hatte.Der König von Spanien belohnte den Prinzen Eugen dafür mit dem Orden desgoldenen Vliesses, und nach kurzem Aufenthalte in Turin, wohin man den ge-nesenden Herzog von Savoyen gebracht hatte, begab sich der Prinz Eugen nachWien. Hier sprach ihm der Kaiser sein besonderes Wohlwollen und seineDankbarkeit aus und ernannte ihn im Mai 1693 zum Feldmarschall, 30 Jahrealt! In kaum zehn Dienstjahren hatte der Prinz Eugen diesen höchsten Rangerreicht, er war durch seine ungewöhnliche Begabung und seine Waffenthatendesselben vollkommen würdig und konnte daher weder Veranlassung zu Vor-würfen noch zu Neid geben.

Im März 1693 kehrte er nach Turin zurück, in dessen Nähe die Armeezu Carignan concentrirt war. Der Feldzug wurde durch die Einnahme desForts St. Brigitta, durch den Marsch gegen den Feind, der bei Susa stand,und durch das Bombardement Pinerolo's eröffnet; alles dieses in der Absicht,Casale zu blokiren und Pinerolo zu belagern. Der Herzog von Savoyen sprachsich im Kriegsrathe dahin aus, den Feind auf der Ebene zu erwarten und zuschlagen, worauf die Festung Pinerolo sich von selbst übergeben würde. DerPrinz Eugen hingegen meinte die Armee Catinat's in den Schluchten der Ge-birge und den Ausgängen aus denselben auf die Ebene einzuschliessen und siedadurch gänzlich zu vernichten. Aber der Herzog von Savoyen bestand hart-näckig auf der Eroberung Pinerolo's und folgte dem Rathe des Prinzen Eugennicht, sondern marschirte den 3. October nach Marsaglia; Catinat kam ihmentgegen, wobei er ein Lustschloss des Herzogs plünderte und einäscherte, undgriff den 4. October die verbündete Armee bei Marsaglia an. Prinz Eugenrieth dem Herzoge eine vortheilhafte Anhöhe vor dem linken Flügel zu besetzen,aber der Herzog that es nicht und Catinat nutzte diesen Fehler zu seinem Vor-theil aus. Der linke Flügel der Armee des Herzogs wurde in der Flanke undim Rücken angegriffen, und es kam zu einem in damaliger Zeit sehr seltenenBajonnethandgemenge; Prinz Eugen jedoch, der die gesammte Infanterie imCentrum befehligte, behauptete dennoch seine Position. Als aber auch die Rei-terei der rechten Flanke geworfen war, zog er sich in völliger Ordnung zurück,indem er sich sowohl in der Schlacht, als beim Rückzuge durch ungemeineKaltblütigkeit und Tapferkeit auszeichnete. Die verbündete Armee sammeltesich nach Verlust von mehr als 9000 Mann an Todten, Verwundeten und Ge-