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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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166 Beilagen.

fangenen bei Turin und stellte sich im befestigten Lager bei Moncalieri auf.Nach Beendigung des Feldzuges ging der Prinz Eugen für den Winter nachWien.

In den folgenden Feldztigen in Italien geschah nichts Wichtiges und Be-meikenswerthes. Der Herzog von Savoyen war schon in geheime Unter-handlungen mit den Franzosen getreten und hielt auf alle mögliche Weise dieverbündeten Generale von wichtigen Unternehmungen zurück. So vergingenbeide Feldzüge von 1694 und 1695 und die einzige bemerkenswerthe Kriegs-begebenheit im Jahre 1695 war die Belagerung und Eroberung von Casale inder Nähe Turins. Prinz Eugen widersetzte sich mit Kecht, dass in die Capi-tulaüonsbedingungen von Casale die Schleifung der Werke aufgenommenwerde, aber der Herzog ging nach seinem Dafürhalten darauf ein, zum grossenSchaden für die kaiserliche Armee, denn für diese war Casale als Niederlage-und Stützpunkt wichtig und nöthig.

Endlich im Frühjahre 1696 hatte sich Prinz Eugen fest überzeugt, dassder Herzog von Savoyen in Friedensunterhandlungen mit den Franzosen stand.Bald darauf wurde zwischen dem Herzog und Catinat ein Waffenstillstand ge-schlossen , dem der Kaiser und die andern Verbündeten beizutreten sich wei-gerten, worauf ihre Truppen sich hinter den Po nach Chiavasso und weiter nachMoreno zurückzogen. Schliesslich gingen die Verbündeten auf die NeutralitätItaliens ein und die kaiserlichen Truppen kehrten nach Deutschland zurück.

In dieser Zeit versuchte Ludwig XIV. den Prinzen Eugen für sich zu ge-winnen, indem er ihm die Würde eines Marschalls von Frankreich, eines Gou-verneurs der Champagne und 200,000 Livres jährliche Einnahmen anbot.Prinz Eugen wies aber diesen Antrag mit Entschlossenheit zurück, indem ererklärte, dass er dem Kaiser viel zu sehr verpflichtet und Dank schuldig sei,als dass er dies annehmen könnte, und ausserdem wollte er um Alles in derWelt nicht heimlicher Weise auf die Seite Frankreichs, das ihn und seine Fa-milie beleidigt hatte, übertreten. Mit um so grösseier Gnade wurde er in Wienvon Leopold I. empfangen, welcher ihm mittheilte, dass er beabsichtige, ihm imnächsten Jahre den Oberbefehl über seine Armee in Ungarn anzuvertrauen.Und von dieser Zeit an stand er niemals wieder unter dem Oberbefehl einesAndern; von jetzt an begannen seine unabhängigen und selbstständigen Ope-rationen in der Eigenschaft eines Obercommandirenden einer abgesondertenArmee, wozu alle vorhergegangenen Operationen nur als Vorbereitung gedienthatten. Endlich wurde dieser begabte und geschickte Feldherr von seinerbeengten untergeordneten Stellung befreit und konnte ganz frei nach seinereigenen hohen Kriegsbegabung handeln.

In seinem ersten Feldzuge, den er in solcher Stellung 1697 unternahm,war die 50,000 Mann starke kaiserliche Armee in Ungarn unter seinem Be-fehle bei Veresmarton concentrirt. Von hier aus sandte Prinz Eugen denFürsten Vaudemont mit einem Truppencorps gegen die ungarischen Insurgenten,