VI. Prinz Eugen von Savoyen. • 161
Prinz Eugen um so freudiger an, weil sein älterer Bruder Julius Ludwig be-reits im österreichischen Heere Commandeur eines Dragoner-Kegiments war.
In Wien nahm ihn der Kaiser sehr gnädig auf und wies ihn zur Armeedes Herzogs von Lothringen, wo sich Eugen's Bruder befand. Er kam beider Armee gerade zu der Zeit an, als dieselbe nach Raab vor dem Grossvezierzurückwich, der auf Wien losmarschirte. Der Herzog von Lothringen zogsich von Raab bis zur Donau-Insel Tabar zurück, wobei der Bruder desPrinzen Eugen im Kampfe mit dem Pferde stürzte und sein Leben verlor. Alsaber der Polenkönig Johann Sobiesky und die Kurfürsten von Sachsen undBaiern Wien zu Hülfe kamen und die Türken zurückschlugen, that sich derPrinz in allen Schlachten seit seiner Ankunft in der Armee in so hohem Gradehervor, dass der Kaiser Leopold I. schon im December 1683 ihn zum Oberstbeförderte und zum Commandeur eines Dragoner - Regiments ernannte. ImJahre 1684 zeichnete sich mit seinem Regimente der Prinz Eugen ungewöhn-lich aus, besonders vor Ofen, das die Türken zu entsetzen versuchten. Undauch im Jahre 1685 fuhr er fort sich in allen Affairen auszuzeichnen, so dasser nach Beendigung des Feldzuges in Wien vom Prinzen Ludwig von Badendem Kaiser als einer der begabtesten und besten Stabsofficiere der Armee vor-gestellt und vom Kaiser ausserordentlich gnädig empfangen wurde.
Louvois, zu welchem Gerüchte über die Erfolge und Auszeichnungen desPrinzen Eugen gelangten, sagte im Zorne : »Er soll nie nach Frankreich zu-rückkehren !« — »Ich werde durchaus, zum Aerger Louvois', aber mit derWaffe in der Hand zurückkehren!« antwortete Prinz Eugen, als man ihm dieWorte Louvois' mittheilte — und er hat dieses Wort in der That mit der Waffein der Hand erfüllt.
Im Jahre 1686 während der Belagerung Ofens durch die Armee des Kur-fürsten von Baiern, war dem Prinzen Eugen die Vertheidigung der Circum-vallationslinie gegen den Grossvezier anvertraut, was ein grosses Vertrauenzu dem 23jährigen Obersten andeutete, um so mehr da die Circumvallationslinieeinen grossen Umfang hatte und die zahlreiche Armee des Veziers sehr nahevor derselben stand. Diese Linie jedoch wurde nicht angegriffen, Ofen wurdemit Sturm genommen, der Vezier zog sich zurück und wurde vom Herzogevon Lothringen heftig verfolgt, der den Prinzen von Baden und den PrinzenEugen, welcher schon nach der Einnahme Ofens zum Generalmajor befördertworden war, zur Belagerung von Fünfkirchen entsandte. Diese Expeditionhatte vollständigen Erfolg und Prinz Eugen, der sich in allen Affairen ausge-zeichnet hatte und einige Male verwundet worden war, ging nach Beendigungdes Feldzuges zur Wiederherstellung seiner Gesundheit nach Venedig undbrachte dort den Winter über zu.
Im März 1687 kehrte er zur Armee, die sich bei Szolnok unter demBefehle des Kurfürsten von Baiern und des Herzogs von Lothringen gesammelthatte, zurück. Der Feldzug wurde mit dem Uebergange der Armee über die
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. III, 2. 11