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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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160 Beilagen.

VI.Prinz Eugen von Savoyen.

Prinz Eugen Franz von Savoyen wurde in Paris am 18. October 1663geboren und war der jüngste von den fünf Söhnen des Prinzen Eugen Moritzvon Savoyen-Carignan, Grafen von Soissons, Oberbefehlshaber der Schweizer-truppen in französischen Diensten und Gouverneurs der Champagne, und derNichte des Cardinais Mazarin, Olympia Mancini. Von seiner Kindheit an warer schon für den geistlichen Stand bestimmt; sieben Jahre alt, war er dem Na-men nach Abbe in zwei Abteien, weshalb er denn auch der »Abbe von Savoyen«genannt wurde; Ludwig XIV. nannte ihn scherzweise den »kleinen Abbe-'.Demgemäss wurde er auch erzogen. Aber er zeigte von früher Jugend anwenig Neigung zum geistlichen Stande und zu der dem entsprechenden Er-ziehung und Bildung. Zehn Jahre alt, verlor er seinen Vater und bald darauffiel seine Mutter in Ungnade bei Ludwig XIV. und war gezwungen, Paris zuverlassen. Der zehnjährige Eugen blieb zurück und hatte zu seinem Unter-halte nicht viel mehr, als die ihm von Ludwig XIV. bewilligte kleine Pension.Er begann sich mehr und mehr mit Geschichte und den Lebensbeschreibungenberühmter Männer zu beschäftigen und in ihm entwickelte sich die Leidenschaftfür den Militärstand. Mündig geworden, richtete er an Ludwig XIV. dieBitte, ihn in die Armee einzureihen. Der König aber erachtete ihn seinesschwächlichen Körperbaues wegen mehr für den geistlichen als für den Mili-tärstarid geeignet, der Kriegsminister Louvois aber hasste die ganze Familiedes Prinzen Eugen, und Letzterer wurde abschlägig mit seiner Bitte be-schieden. Er unterdrückte die Gefühle der Beleidigung und Unzufriedenheit,aber namentlich von dieser Zeit an beschloss er fest sein Ziel zu erreichen:sich dem Militärdienste, wenn auch nicht in der französischen Armee, so inirgend einer andern zu widmen, und nach Frankreich nicht anders als mit demDegen in der Hand zurückzukehren. Inzwischen betrieb er noch eifriger seinemilitärischen und mathematischen Studien, besonders beschäftigte er sich mitGeometrie, Fortification, Belagerung und Vertheidigung von Festungen, sowiemit militärischen Uebungen, hauptsächlich mit Reiten, worin er es zu grosserVollkommenheit brachte, wie er denn bis zu seinem Tode ein ausgezeichneterReiter war. Seine Fortschritte in den Wissenschaften waren so schnell undbedeutend, dass er sich die Achtung Vauban's und die Würde eines Mitgliedesder Pariser Akademie der Wissenschaften erwarb.

Endlich kamen ihm in seinem 20. Lebensjahre (1683) die Umstände selbstzu Hülfe: Die Türkei hatte dem Kaiser Leopold I. den Krieg erklärt undaus allen Staaten West-Europas strömten junge Leute nach Wien, um alsFreiwillige in der österreichischen Armee zu dienen. Ihrem Beispiele folgtensogar französische Prinzen aus königlichem Geblüt, und ihnen schloss sich