V. Monteouculi. 157
und Monteouculi bezog Cantonirungsquartiere im Spessart - Gebirge, marscbirtevon hier nacb Koblenz, überschritt den Rhein, vereinigte sich zwischen Linzund Andernach mit dem Prinzen von Oranien (14,000 Mann Fus s ™lk, 1 1,000Mann Reiterei) , setzte mit demselben rasch den Weg nach Bonn fort und be-lagerte diese Stadt. Turenne aber, durch seine Instructionen gebunden, gingüber den Neckar und zog sich bis nach Philippsburg zurück. Bonn ergab sichnach achttägiger Belagerung; Monteouculi übergab den Oberbefehl über dieArmee dem Herzog von Bournonville und kehrte nach Wien zurück. So be-stand das ganze Resultat des Feldzuges von 1673 darin, dass es Monteouculidurch blosses Manövriren, ohne jeden Kampf, gelungen war, sich einen Wegzum Niederrhein zu bahnen, sich mit dem Prinzen von Oranien zu vereinigen,Bonn zu belagern und zu erobern. Nach den damaligen Begriffen aber wur-den die Operationen Montecuculi's und Turenne's wider einander während einesganzen Monats durch blosses Manövriren, ohne Kampf, für den Höhepunkt derKunst gehalten, wie gering auch schliesslich das Resultat sein mochte. Monte-cuculi hatte seinen Zweck erreicht, Turenne nicht; nichts desto weniger hattenbeide grosse Kunst bewiesen. 1674 wurde der Oberbefehl über die vereinigteArmee am Nieder-Rhein dem Kurfürsten von Brandenburg anvertraut unddarum legte Monteouculi dieses Amt nieder. Das Misslingen des Feldzugesim Jahre 1674 bewog den Kaiser 1675 Monteouculi den Oberbefehl über 26,000Mann eigener Truppen am mittlem Rhein zu übergeben. Von Seiten der Fran-zosen sollten Turenne und Conde dort operiren. Auf solche Weise konnten'die drei berühmtesten Feldherren jener Zeit sich in ihrer Kunst mit einandermessen. Monteouculi wollte mit der Eröffnung des Feldzuges den Gegnernzuvorkommen, bei Strassburg über den Rhein gehen und in das untere Elsasseinfallen, Turenne musste mit 22,000 Mann dies auf alle Fälle verhindern.Den 1. Mai überschritt Montecuculi den Main bei Frankfurt, den 10. den Neckarund stand am 20. vor Strassburg. Turenne rückte schnell von der andernSeite an Strassburg heran und drohte die Stadt zu bombardiren, wenn sie Mon-tecuculi einlassen würde. Um ihn von Strassburg abzuziehen, belagerte Mon-tecuculi Philippsburg, ging bei Speier über den Rhein und stellte sich, als wolleer Landau, Zabern und Hagenau belagern. Aber Turenne folgte ihm nicht,sondern überschritt oberhalb Strassburg bei Ottenheim den Rhein und stelltesich zwischen den Flüssen Kinzig und Schutter auf; dadurch bedrohte er dieMagazine Montecuculi's in Offenburg und zwang somit Montecuculi nach Offen-burg zu eilen. Turenne schickte einen Theil seiner Truppen nach Altenheim,zur Sicherstellung seiner Communication mit dem linken Rheinufer, ein andererTheil seiner Truppen besetzte die Brücke bei Ottenheim, er selbst verblieb mitseiner Hauptmacht in seiner frühern Stellung bei Willstett. Montecuculi mar-schirte auf Ottenheim zu, aber es gelang ihm nicht, sich der Brücke zu be-mächtigen ; Turenne stellte unterdessen einen Theil seines Heeres bei Strass-burg auf, während er selbst mit der Hauptmacht bei Altenheim Posto nahm,