156 Beilagen.
bei St. Gotthard einen glänzenden Sieg über die Türken erfocht, in Folge dessenFriedensverhandlungen eingeleitet und bald darauf ein Friede geschlossenwurde. 1666 schickte der Kaiser Montecuculi nach Finale seiner Braut, derspanischen Prinzessin Margaretha Theresia, entgegen. Bei dieser Gelegenheiterhielt Montecuculi den spanischen Orden des goldenen Vliesses. 1668 wurdeer zum Präses des Hof kriegsrathes bestimmt, als welcher er sich ausschliesslich mitder Organisation der österreichischen Armee beschäftigte; in der Folge wurde ernoch oberster Chef des Artilleriewesens. Im Jahre 1672, beim Beginn deszweiten niederländischen Krieges, erhielt er den Oberbefehl über die kaiser-liche Armee, die 18,000 Mann stark und mit Spanien und Brandenburg ver-bündet, an den Rhein marschirte. Aber die geringe Stärke dieser Armee, dieUneinigkeit der Reichsfürsten und die einander widerprechenden Befehle desersten Ministers, des Fürsten Lobkowitz, eines erklärten Feindes von Monte-cuculi, waren die Ursachen, dass der Feldzug vom Jahre 1672 gar keine wich-tigen Resultat^ für den Kaiser hatte. 1673 übernahm Montecuculi den Ober-befehl über die active Armee, aber mit der Bedingung vollständiger Unab-hängigkeit in seinen Operationen. Der Kaiser besichtigte die Armee (11Infanterie- und 15 Cavallerie-Regimenter, im Ganzen 30—40,000 Mann) beiEger, und am 22. August marschirte sie von hier aus in drei Colonnen, welchesich bei Nürnberg vereinigten. In dieser Zeit belagerten die Franzosen Trier,verwüsteten mit leichten Truppen das Mainzer Gebiet, fielen unter der Anfüh-rung Turenne's in Franken ein und eroberten Aschaffenburg.
Montecuculi hatte die Absicht, den Niederrhein zu erreichen und sich mitder Armee des Prinzen von Oranien zu vereinigen, aber die Nähe der ArmeeTurenne's, welche am 6. September vor Neukirchen angelangt war, machtediesen Plan fast unmöglich. Deshalb wollte Montecuculi dieselbe vom Mainabziehen und einige Uebergänge gewinnen, was er durch Manövriren zu er-reichen suchte. Den 7. September überschritt er bei Werth die Regnitz undden 10. marschirte er nach Weissheim. Tnrenne zog sich hinter Mergentheimund den 11. über die Tauber nach Walkershofen zurück. Bei Brezhofen stan-den sich beide Armeen gegenüber , aber Montecuculi wollte sich nicht in einenKampf einlassen, sondern wandte sich durch eine Flankenbewegung nachMarktbreit, wodurch der ganze Mainlauf bis Schweinfurt in seine Gewalt kam.
Turenne marschirte am 13. über Oldenhofen nach Ochsenfurt, wo er vonNeuem sich Montecuculi entgegenstellte. Nach einigen Scharmützeln schickteMontecuculi am IS. den Obristen Dünewald mit 1000 Mann nach Wertheini,um die Vorräthe des Feindes zu vernichten, was Turenne bestimmte, sich nachWenkheim zurückzuziehen. Montecuculi, verstärkt durch 3000 Mann Reitereiunter dem Befehl des Herzogs von Lothringen, überschritt den Main beiKitzingen und stellte sich am 1. October bei Rettersbach auf. Um Turenne'sAufmerksamkeit auf Aschaffenburg zu lenken, wurde Graf Hohenlohe mit 400Dragonern nach Gelnhausen geschickt. So war der Weg zum Rheine offen