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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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Seite
152
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152 Beilagen.

der Vermählung Ludwigs XV. mit Maria, der Tochter des gewesenen Polen-königs Stanislaus Leszczynski, Spanien im Bunde mit Oesterreich und Russlandgegen Frankreich und dessen Verbündete (England , Preussen, Schweden undDänemark) rüstete, verlieh der französische Hof, der eines erfahrenen und ge-schickten Befehlshabers bedurfte, Villars die Würde eines General-Marschalls,die vor ihm nur Turenne zu bekleiden würdig befunden worden war. In dieserWürde führte er als Oberbefehlshaber der Armee einen Marsch nachPiemont aus,der von Fontainebleau bis Tarin eher einem Triumphzuge als einem Kriegszugeglich. Bereits im 81. Lebensjahre, eroberte er hierauf im Verein mit demKönige von Sardinien während der ungünstigsten Jahreszeit in Italien in nichtmehr als drei Monaten das Mailändische und das Herzogthum Mantua, indem ersagte, dass er sich »seines hohen Alters wegen beeilen müsse«. Aber bald daraufverliess er, in Folge entstandener Misshelligkeiten und Zerwürfnisse mit demKönige von Sardinien die Armee, erkrankte und starb auf dem Wege nachFrankreich in Turin den 17. Juni 1734, im 82. Lebensjahre.

Villars war der letzte grosse Feldherr Frankreichs jener Zeit. Er warvon Natur reich ausgestattet und legte ungewöhnliche militärische Begabungan den Tag, besonders Kühnheit bis zur Verwogenheit, Unternehmungsgeist,Entschlossenheit, Energie und Geschicklichkeit in strategischen und taktischenOperationen, die in Vielem mit den taktischen Eigenschaften Turenne's über-einstimmten. Besonders beachtenswerth sind seine Operationen in Deutsch-land und sein Plan gerade auf Wien loszumarschiren, der vonNapoleonl. voll-ständig gebilligt ward. Dabei genoss auch er, wie Turenne, die ausserge-wöhnliche Liebe und das Zutrauen der Truppen und grossen moralischen Ein-fluss auf dieselben, und er hätte mit ihnen sehr wichtige WafTenthaten vollbringenkönnen. Aber zum Unglück war auch er, wie Turenne und andere bessereFeldherren der damaligen Zeit, in seinen Handlungen ungemein durch die Ab-hängigkeit vom Könige, seinen Ministern und dem Hofe, durch Verhältnisse zuden Verbündeten und falsche Kriegsbegriffe und Vorurtheile der Zeit gebundenSeine persönliche Tapferkeit begeisterte und riss die französischen Soldatenmit sich fort. Er war ein fein gebildeter Mann und besass vielseitige Kennt-nisse. Sein Aeusseres entsprach ganz seiner innern Würde: er war von hohemWüchse und hatte eine majestätische, gewinnende Haltung. Aber Eigenliebe,Hoffart, Prahlerei und besonders Eigennutz verdüsterten seine guten Eigen-schaften und seinen Werth und bilden in dieser Hinsicht einen schroffen Unter-schied zwischen ihm und Turenne.

V.Montecuculi.

Nach den besten französischen Feldherren dieser Zeit (Turenne, Conde,Vendome und Villars) wollen wir die bemerkenswerthesten auf der feind-