IV. Villars. 151
fehligte, erlangte er einige Erfolge über den Herzog von Savoyen, wurde abervon grösseren Unternehmungen in Folge der Erschöpfung der französischenFinanzen und der verhältnissmässigen Schwäche seiner Armee zurückge-halten. Bald darauf wurde er nach Flandern abberufen, wo die Niederlageder Franzosen bei Oudenaarde ihren Angelegenheiten die allernachtheiligsteWendung gegeben hatte. Mit einer desorganisirten, geschwächten, kleinmüthiggewordenen, an Lebensmitteln und Kriegsmaterial Mangel leidenden Armee mussteVillars den siegreichen und an Kräften überlegenen Heeren Marlborough's unddes Prinzen Eugen entgegenwirken. Aber Villars verstand und vermochtees, die französische Armee zu organisiren, zu versorgen und ihren Muth in demGrade zu heben, dass er in der äusserst blutigen Schlacht bei Malplaquet (11.September 1709) wohl den Sieg über Marlborough und den Prinzen Eugen er-rungen hätte, wenn er nicht bei Beginn der Schlacht schwer verwundet wordenwäre. In den Stand eines Herzogs und Pairs von Frankreich erhoben, eilte er,kaum von seiner Wunde genesen, wieder nach Flandern, wo er im Jahre 1711den berühmten Sieg bei Denain über die verbündeten Truppen erfocht, dessenFolge die Eroberung von Marchiennes, Douai, Quesnoy und Bouchain dtdrohdie Franzosen, die Aufhebung der Belagerung von Landrecies seitens desPrinzen Eugen, sein Rückzug bis nach Brüssel und die Beschleunigung desAbschlusses (1713) des Utrechter Friedens mit den Verbündeten (ausserdemKaiser) war. Daher setzte Villars seine Kriegsoperationen am Mittelrheingegen den Prinzen Eugen noch fort, eroberte Speier, Landau, Freiburg undschloss endlich im Jahre 1714 mit dem Prinzen Eugen in Rastatt die Prälimi-narien zu einem allgemeinen Frieden. In dieser Zeit wurde ihm der spanischeOrden des goldenen Vliesses verliehen und bald darauf wurde er zum Gouver-neur der Provence ernannt. Seine Verwaltung dieses Districts ist unter an-dern durch die Erbauung eines Canals, der nach ihm den Namen »Canal deVillars« führt, bemerkenswerth. Ohne sich jedoch mit der Gnade und demVertrauen Ludwig's XIV., noch mit den erhaltenen Auszeichnungen zu begnügen,bewarb er sich eifrig, aber unbescheiden, um die Würde eines Connetable vonFrankreich, und zog sich, da er dieselbe nicht erlangte, nach dem Tode Lud-wig's XIV. (im Jahre 1715) in die Provence zurück, wurde aber bald daraufzum Mitgliede des Conseil's bestimmt und zum Mitglied der französischen Aka-demie gewählt. Während der Regentschaft des Herzogs von Orleans genosser grosse Achtung und gewichtiges Ansehen, aber bei aller Anhänglichkeit anden Regenten tadelte er streng die Quadrupel-Allianz zwischen Frankreich,England, Holland und Oesterreich (1717), die verderblichen SpeculationenLaw's, sowie die Sittenverderbniss des Cardinais Dubois und des Hofes. Diebesondere Gewogenheit des jungen Königs Ludwig XV. benutzte er dazu, seineAnsprüche auf die Würde eines Connetable zu erneuern, war aber so ungeschickt,dass er durch die Intriguen des französischen Ministers Cardinal Fleury fastseinen ganzen Einfluss bei Hofe einbüsste. Als aber im Jahre 1732, in Anlass