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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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150 Beilagen.

der Armee Villeroi's in Italien und im Jahre 1702 unter Catinat am Kliein.In diesem letzten Jahre ging er mit einer besondern Heeresabtheilung über denRhein und erfocht am 14. October bei Friedlingen einen Sieg über den PrinzenLudwig von Baden, der seine Vereinigung mit dem Kurfürsten von Baiernverhindern wollte, welche indess Villars trotz seines Sieges nicht durchsetzenkonnte, weil der Feind ihm an Streitkräften bedeutend überlegen war. Be-achtenswerth ist, dass nach dem Siege bei Friedlingen seine Truppen, sieges-trunken und aus Liebe zu ihm, ihn zum Marschall erhoben und der König diesnachträglich bestätigte (Villars war damals 49 Jahre alt). Im Jahre 1703ging er mit einer 30,000 Mann starken Arme aus dem Elsass auf das rechteRheinufer über, eroberte am 12. März nach einem kühnen Marsche Kehl(gegenüber Strassburg), einen für die Franzosen wichtigen Punkt, schlug undzerstreute einen bedeutenden Theil der Armee des Prinzen Ludwig von Baden,zwang diese zum Rückzug in die Stollhofener Linien, und nachdem er sichendlich am 12. Mai mit der 30,000 Mann starken Armee des Kurfürsten vonBaiern vereinigt hatte, beschloss er mit derselben gerade auf Wien loszumar-schiren, was unzweifelhaft den Kaiser genöthigt hätte, einen für Frankreichvortheilhaften Frieden zu schliessen. Die ausserordentliche Unentschlossen-heit des Kurfürsten aber Hess diese ungewöhnliche Entschlossenheit und ausge-zeichneten Combinationen Villars' in Nichts zerfliessen. Anstatt des Marschesnach Wien war Villars gezwungen, dem Kurfürsten nachzugeben und auf diebei Weitem nicht so wichtigen Operationen gegen die Kaiserlichen unterStyrum und Schlick an der Donau einzugehen, und obgleich er im Verein mitdem Kurfürsten am 20. September einen Sieg über den Ersteren bei Höchstädterfocht, so hatte dieser doch keine wichtigen Folgen. Die Misshelligkeitenzwischen dem Kurfürsten und Villars wurden so bedeutend, dass der Letzte,auf Ansuchen des Erstem, nach Frankreich zurückberufen und in dieSevennengesandt wurde, um die dortigen Reformirten, die unter dem Namen Camisardsbekannt sind, zum Gehorsam zu bringen, was ihm theils durch milde Unter-handlungen, theils durch Waffengewalt gelang. Nach der zweiten Schlachtbei Höchstädt im Jahre 1704 bekam Villars von Neuem den Oberbefehl überdie Rheinarmee, vertheidigte die Ostgrenzen Frankreichs und errichtete ein indamaliger Zeit bedeutendes befestigtes Lager bei Sierck, welches selbst Marl-borough nicht anzugreifen wagte. In den Jahren 17051707 setzte er denKrieg am Rhein und in Deutschland mit Erfolg fort, vereitelte durch seineThätigkeit alle Unternehmungen des Prinzen von Baden, verdrängte ihn vomlinken auf das rechte Rheinufer, nahm mit Sturm die Stollhofener Linien, erhobin Schwaben grosse Contributionen, drang tief in Deutschland ein und wolltesich mit dem Könige von Schweden, Karl XII., der sich damals in Sachsen be-fand , vereinigen. Aber Marlborough bestach die schwedischen Minister undhielt Karl XII. dadurch vom Bunde mit Frankreich ab. Im Jahre 1708, alsVillars die französische Armee auf der südöstlichen Grenze Frankreichs be-