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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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IV. Villars. 149

herzigen Kriegsanschauimgen und dem Methodismus jener Zeit, zeichnete sichdurch Geschicklichkeit im Combiniren, durch Thätigkeit, Entschlossenheit undEnergie in der Ausführung während der Schlacht und in der Manövrirkunst imFelde sowie in der Führung des Belagerungskrieges aus, war aber in seinemPrivatleben träge und leichtsinnig und seine Thätigkeit trat nur an den Tagwährend des Kampfes und während wichtiger Kriegsoperationen.

IV.Villars.

Ludwig Hector de Villars, erst Marquis, dann Herzog und Pair vonFrankreich, stammte aus einem sehr achtungswerthen, aber verarmten und beiHofe in Ungnade gefallenen Adelsgeschlechte in Lyon. Er wurde im Jahre1653 in Moulins geboren und erhielt eine ausgezeichnete Erziehung und Bil-dung. Während des zweiten niederländischen Krieges diente er im Rangeeines Beiterofficiers unter Turenne und Conde und führte bei der Belagerungvon Mastricht im Jahre 1673 unter den Augen Ludwig's XIV. mit einer Ab-theilung Grenadiere einen so kühnen Angriff auf eine Befestigung aus, dassder König ihn deshalb tadelte, jedoch in einer Weise, welche ihm zur Ehregereichte und ihn auch späterhin nicht davon abhielt, ähnliche kühne Thatenzu unternehmen. Er zeichnete sich bei der Belagerung von Orsoy, Duisburg,Zütphen und anderer Festungen aus, wurde im Jahre 1674 nach der Schlachtbei Senef, 21 Jahre alt', zum Commandern' eines Reiterregiments ernannt undzeichnete sich wiederholt in den folgenden Feldzügen in den Niederlanden undim Elsass in den Armeen Luxembourg's und Crequi's aus, fiel aber in Ungnadebeim Minister Louvois. Nach Abschluss des Nymweger Friedens (im Jahre1678) wurde er zum Gesandten in Wien ernannt, es gelang ihm den Kurfürstenvon Baiern für Frankreich zu gewinnen und er begleitete ihn nach München,Ungarn und sogar zum Feldzuge gegen die Türken. Am Anfange des drittenniederländischen Krieges befehligte er die Reiterei im Heere des MarschallsHumieres in Flandern, wobei er sich durch geschickte Führung des Partei-gängerkrieges hervorthat, und wurde im Jahre 1689 zum Marechal-de-campbefördert. Als Commandeur einer Heeresabtheilung von 13,000 Mann zeich-nete er sich bald darauf durch neue Waffenthaten aus, so dass er von Lud-wig XIV. persönlich zum Generallieutenant ernannt wurde. Nach dem Rijs-wicker Frieden im Jahre 1697 wurde er wiederum als Gesandter an den WienerHof zu Unterhandlungen in Sachen der spanischen Erbfolge designirt.

Als er in Erfahrung gebracht, dass der schwache König von Spanien,Karl H., dem Kaiser Leopold I. geheime Vorschläge gemacht, sich aller spani-schen Besitzungen in Italien zu bemächtigen, brachte er den Kaiser dahin, dassdieser ihm das schriftliche Versprechen gab, von diesem Mittel keinen Gebrauchmachen zu wollen. Zu Anfang des spanischen Erbfolgekrieges diente er in