I. Turenne. 143
wenn nicht Turenne am 27. Juli 1675 durch eine Kanonenkugel getödtet wor-den wäre.« Am Vorabende dieses Tages soll er, laut Zeugenversicherung,einer augenblicklichen Eingebung folgend, ausgerufen haben : »Enfin, je le tiens!«(endlich habe ich ihn fest!) und man muss voraussetzen, dass solch ein festerund in sich verschlossener Mensch, wie Turenne, davon völlig überzeugt war,dass er durch sein geschicktes Manövriren Montecuculi in solch eine Lage ge-lockt habe, die ihm (Turenne) den Erfolg vollständig sicherte. Montecuculinämlich, der durch Turenne's Manöver gezwungen war, zum Dorfe Sas-bach zu marschiren, nahm nach Vereinigung mit dem Detachernent des GeneralsCaprara mit 30,000 Mann (zur Hälfte Reiterei) Position hinter dem Flüsschen,das vom Dorfe Sasbach nach dem Dorfe Unter-Sasbach in einer tiefen Schluchtfliesst und dessen Bett durch anhaltenden Regen damals bedeutend ange-schwollen war. Turenne aber hatte schon zuvor das Städtchen Achern, gegen-über Sasbach, eingenommen und zwang namentlich dadurch Montecuculi, seineStellung zu ändern, rückte gegen ihn mit seiner Hauptmacht (ungefähr 25,000Mann, zur Hälfte Reiterei) von Hamshurst aus (hinten) und stellte sie am
26. Juli der Hauptmacht des Feindes gegenüber auf. Eine Schlacht schien unver-meidlich, um so mehr, da die Truppen auf beiden Seiten viel von den anhalten-den Märschen, vom Regen und Schmutz zu leiden hatten. Die Artillerie warbis zu den Rändern der Schlucht herangebracht, das Fussvolk in erster Linie,die Reiterei in zweiter Linie aufgestellt und die Kanonade eröffnet. Turenne,der sehr sorgfältig die Position des Feindes recognoscirte, fand sie sehr starkauf allen Punkten in der Fronte. Der Angriff auf Unter-Sasbach war erfolg-los, weil der Eingang in dieses Dorf durch einen mit einer Steinmauer undsumpfigem Graben umgebenen Kirchhof versperrt war. Am Morgen des
27. Juli bemerkte Turenne in der Ferne eine besondere Bewegung der feindlichenTruppen und des Trains, und vermuthete, dass Montecuculi vielleicht in dernächsten Nacht seine Position zu ändern beabsichtige; er sandte einen Officieran den gegen Sasbach befehligenden General, mit dem Auftrage, sorgfältig dieBewegungen des Feindes zu beobachten und sofort über dieselben zu berichten.Um zwei Uhr Nachmittags ritt er aufs Neue auf den linken Flügel, um sichpersönlich von der Aufstellung des Feindes zu überzeugen, und nachdem erunter einem Baum ausgeruht, erhielt er die Nachricht, dass Bewegungender feindlichen Infanterie in der Richtung zu den Bergen hin, an deren EingangSasbach lag, bemerkt worden wären. Turenne begab sich sofort nach dieserRichtung hin und traf auf einer Anhöhe den Chef der Artillerie, den General-lieutenant St. Hilaire, der ihm die Aufstellung der Batterien, die Turenne ihmdort herzurichten aufgetragen hatte, zu erklären begann. Zu derselben Zeiterfolgte von feindlicher Seite ein Kanonenschuss — und die einzige in diesemAugenblick abgefeuerte Kanonenkugel riss mit einem Male dem General St.Hilaire die rechte Hand ab und schlug Turenne mitten durch den Leib (beiDeschamps: »traversa M. de Turenne par le milieu du corps« , bei Andern: