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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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140 Beilagen.

Versprechen selbst einem Räuber gegenüber halten.« Solcher Art Ehrlich-keit und Gewissenhaftigkeit, die ihm immer selbst in Augenblicken mensch-licher Schwäche eigen waren, lassen an Turenne einen Mann von strengenGrundsätzen , dem es nie an moralischer Kraft und Festigkeit mangelte , wennes sich um Erreichung eines ehrlichen, gerechten und nöthigen Zweckeshandelte, erkennen. Als Zeugniss dafür dient folgender Fall: im Jahre 1670beschloss Ludwig XIV. alle Mittel anzuwenden, um das Bündniss zwischenHolland, England und der Schweiz zu vernichten, und zu allererst wollte erKarl II. , König von England , vom Bündnisse losreissen. Dieses Geheimnissvertraute er nur dem Minister Louvois und Turenne an Letzterem nament-lich deshalb, weil er dem Hause Stuart, vor und nach Cromwell's Tode, grosseDienste geleistet und sich daher grosser Gunst und grossen Zutrauens bei derSchwester KaiTs II. , der Gemahlin des Bruders Ludwig's XIV., des Herzogsvon Orleans, erfreute. Um sicherer auf sie einwirken zu können, beschlossTurenne zuerst die Gewogenheit einer jungen, schönen und geistreichen Mar-quise , der Favorite der Herzogin, zu gewinnen. Aber nachdem er sich ihrgenähert, wurde er ohne es selbst zu fühlen, so sehr von ihrem Verstand unddurch die Leidenschaft, die er für sie fasste, hingerissen, dass sie geschicktihm das Geheimniss entlockte. Inzwischen beauftragte der Herzog von Orleans,der eifersüchtig auf den Einfluss seiner Gemahlin auf Ludwig XIV. herabsah,seinen Günstling, den jungen und gewandten Chevalier de Lorraine, das Ge-heimniss der von ihm vermutheten Intrigue zu ergründen. De Lorraine gelanges, der Marquise das Geheimniss zu entlocken, das sie ihrerseits Turenne ent-lockt hatte. Der Herzog von Orleans beklagte sich bitter bei Ludwig XIV.,dass er seinem Bruder ein Anderen anvertrautes Geheimniss vorenthalte. DerKönig, fest von der Verschwiegenheit Turenne's überzeugt, entgegnete, dassihn Louvois verrathen habe. Turenne aber, trotzdem dass Louvois ihn be-neidete und feindlich gegen ihn handelte, beeilte sich dem Könige die volleWahrheit zu entdecken, und indem er sich beschuldigte, rechtfertigte er Louvois.Der König würdigte ganz dieses ehrliche, edle Benehmen Turenne's und ver-doppelte seine Achtung und sein Vertrauen zu ihm.

Turenne war immer gegen die Schwächen und Fehler Anderer nachsichtigund verschwieg dieselben. Als einst Turenne seinen Feind Louvois recht-fertigte und ihn vertheidigte, sagte Ludwig XIV. zu ihm: »Wenn selbst allemeine Minister Sie hassen würden, ich bliebe auch dann von ganzem HerzenIhnen ergeben.« Darauf sagte ihm der König, dass der General MarquisSt. Abre nicht unter seinem Oberbefehle dienen könne, weil er seine Anord-nungen schlecht geheissen und dem Minister Louvois geschrieben habe, dass,wenn man seinen (Abre's) Kath eingeholt hätte, die Stadt Bonn hätte gerettetwerden können, ohne das Elsass einer Gefahr auszusetzen. »Warum hat eres nicht mir gesagt,« entgegnete Turenne, »mit Freuden hätte ich ihn angehört.«Noch nicht genug, er rechtfertigte und belobte. St. Abre, erbat für ihn eine