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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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I. Turenne. 139

unter einander, »so lange unser Vater lebt und gesund ist.« Seine Fürsorgefür dieselben ging so weit, dass er einst im Jahre 1674 nach einem langenMarsche bei heisser Witterung, ihnen nicht gestatten wollte den Neckardurchzuwaten, damit sie sich nicht Krankheiten und Erkältung zuzögen, wenn-gleich den Umständen nach ein solcher Uebergang sehr nöthig war. Dafürbekam er oft Aeusserungen der Soldaten über ihn ganz zufällig zu hören; soz. B. als er einst in der Nacht durch das Lager ging, hörte er, dass in einemZelte junge Soldaten sich über den beschwerlichen Marsch beklagten, aber voneinem alten verwundeten Soldaten mit den Worten zurecht gewiesen wurden:»Ihr kennt nicht unsern alten Vater, der uns gewiss nicht quälen würde, wenner nicht irgend etwas Wichtiges vorhätte, worüber wir nicht urtheilen können.«

Gegen Officiere und Generäle war Turenne ungewöhnlich zuvorkommendund für sie besorgt. Wenn unter den Ofticieren Unzufriedenheit in Folgerückständigen Soldes und Geldmangels entstand, so half er den Bedürftigen auseigenen Mitteln, aber auf die delicateste Weise. So traf er einst im Jahre1674 einen diensteifrigen Officier der Miliz [arriere-ban] an, der aber ein sehrschlechtes Reitpferd hatte. Er rief ihn zu sich und schlug ihm vor, mit ihmdas Pferd zu tauschen, unter dem Vorwande, dass er ruhige Pferde unter demSattel liebe. Solche und viele dem ähnliche Züge bezeugen, dass die tiefeAnhänglichkeit, die seine Umgebung, Alle, die ihn kannten, und alle seineUntergebenen für ihn hegten, ausschliesslich aus seinen hohen persönlichenEigenschaften entsprang, die auf Alle einen aussergewöhnlichen Einfluss aus-übten und als stärkste Triebfeder auf sie wirkten.

Im Privat - und gewöhnlichen Leben war es die Einsamkeit, ein engerKreis auserwählter Freunde und Bekannten, die Unterhaltung kluger Leuteund die Leetüre ernster wissenschaftlicher Werke, was er dem geräusch-vollen Leben der grossen Welt vorzog. Nur selten verliess er seine Einsam-keit, es sei denn, dass er in Geschäften beim Könige sein musste. Im Gesprächmit Freunden liebte er lustigen Scharfsinn und Spässe und nahm selbst an den-selben Theil. Ausser seinem Hause trug er eine so bescheidene Kleidung, dassNiemand unter derselben den grossen Turenne vermuthen konnte, und erlebtedadurch manches seltsame Ereigniss, wobei er sich immer gutmüthig undherablassend zeigte. So wurde einst in Paris in einer Nacht sein Wagen voneinem Strassenräuber aufgehalten, der ihm seinen goldenen Siegelring, denTurenne zum Andenken erhalten hatte und den er sehr schätzte, rauben wollte.Der Räuber ging darauf ein, ihm den Ring zu lassen, wenn er ihm für den-selben 100 Louisd'or zahle. Turenne, der das Geld nicht bei sich hatte, gabihm das Wort, dass er die geforderte Summe bezahlen werde. Am andernTage, in einer grossen Gesellschaft, erinnerte der Räuber (der nicht aus nie-derem Stande war) Turenne flüsternd an sein Versprechen und dann erst, alsder Räuber sich bereits entfernt hatte und weit weg war, erzählte Turenne dasihm Begegnete, indem er hinzufügte : »Ein ehrlicher Mann muss sein gegebenes