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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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I. Turenne. 137

schwankte er nicht einen Augenblick ; wenn er aber freie Wahl hatte , so zoger das Manövriren dem Kampfe vor. Er war jedoch ein entschiedener Gegnerder unnützen Hin - und Hermärsche von einem Orte zum andern, welche zuseiner Zeit besonders die Armeen decimirten . bedeutend mehr noch als die blu-tigsten Schlachten. Uebrigens, so oder anders, er erfand und führte in jedemeinzelnen Falle etwas Neues und Besonderes den Umständen entsprechend aus.Aehnlich allen grossen Feldherren, hatte auch er seine eigene persönlicheMethode und Handlungsweise; immer hatte er im Auge, viel zu wagen (oderviel aufs Spiel zu setzen), um auch viel zu gewinnen, handelte aber dabei ganzeigenartig! Im Jahre 1674 fragte ihn Conde, wie er gegen den Prinzen vonOranien zu operiren habe? Turenne antwortete ihm: »Faites peu de sieges etdonnez beaucoup de combatst. , fügte aber noch hinzu: »quand vous aurez renduvotre armee superieure ä celle des ennemis piar le nombre et pär la bonte des trozipes«.Aus vieljähriger Erfahrung kannte er auch den Einfluss, den im Kriege die so-genannten untergeordneten oder Nebenursachen (causes secondaires) haben, wiez. B. grössere oder geringere Thätigkeit der ihm untergebenen Generäle , dieArt und Weise der Auffassung und Ausführung der ihnen anvertrauten Unter-nehmungen oder Operationen u. s. w. Als Beleg dafür, wie er den Kriegim ganzen Umfange erkannte, und mit welchem Scharfblick er begabt war,dient der Rath, den er Ludwig XIV. im Jahre 1672 gab, als der Feldzuggegen Holland missglückt war, nämlich entweder die spanischen Nieder-lande oder Deutschland anzugreifen. Dieser Rath war nach den BegriffenTurenne's ganz richtig, aber nicht nach dem Verständnisse Louvois', derweder denselben zu begreifen, noch auszuführen im Stande war. Obgleicher, wie oben gesagt , das Glück an sich zu fesseln und auszunutzen verstand,zog er bisweilen doch das Sichere dem Unsichern vor. So sagt, in Anlass seinerSchlussoperationen im Feldzuge vom Jahre 1658, Napoleon I. : »TZ a viole laregle gut du: profitez de la faveur de la fortune, lorsque ses caprices sontpoitr vous;craignez qu 'eile ne change de depit, eile estfemmeu.. Dafür ist es unzweifelhaft,dass alle Erfolge ihm persönlich zuzuschreiben sind, und dies hatte einen fühlbarenEinfluss sowohl auf ihn selbst, als auf seine Generäle und seine Truppen. Aberdas Schicksal verschonte und schützte ihn vor unglücklichen Fällen, die unbe-rechenbare und schädliche Folgen hätten nach sich ziehen können. Daherstand sein Ringen mit Schwierigkeiten und Hindernissen, besonders in seinenletzten Feldzügen, in vorteilhaftem Verhältnisse zu seinen moralischen Kräf-ten, die er denselben entgegenstellte. Er unterschied sich von andern grossenFeldherren dadurch, dass er die besondern Verhältnisse und Umstände, unterdenen er sich befand, reiflich überlegte und, wenn es irgend möglich war,seinen Plänen einige Zeit zur Reife gab. In dieser Hinsicht hat er einige Aehn-lichkeit mit Hannibal, nur mit dem Unterschiede, dass letzterer, wenn es irgend-wie möglich war, in seine Pläne List hineinbrachte und seinen Gegnern Netzestellte. Beide aber verdoppelten die Vorsicht in gleicher Weise im Glücke