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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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134 . Beilagen.

Festung viel Zeit brauchte, dabei insgesammt an 900 Mann einbiisste und daraufpersönlich nach Frankreich ging. Marsin aber zog sich nach Ypern und demobern Lys zurück. Darauf sandte Turenne einen Theil des früheren LaFerte'schen Corps in die Festung Gesdin, wo sich eine Reservearmee (10,000Mann Fussvolk und ebensoviel Reiterei nebst Artillerie) sammelte, die übrigenTruppen aber concentrirte er bei Dixmuiden und überschritt den oberen Lysund die Scheide (wobei]seine Reiterdetachements bis nach Brüssel streiften),eroberte Oudenaarde, überfiel plötzlich und schlug am Lys den Prinzen deLigny (2000 Mann Fussvolk und 1500 Mann Reiterei), belagerte und eroberteam fünften Tage darnach (26. September) Ypern, und nachdem er hierauf seinenKriegern einige Tage Erholung bei Tourcoing gegönnt, deckte er vier Wochendie Arbeiten zur Wiederherstellung der Befestigungen von Menin und Ouden-aarde und bemächtigte sich dann der Städte Grammont und Ninove. AnfangDecember ging er hinter den Fluss Lys zurück, Hess 5000 Mann Fussvolk und100 Compagnien Reiterei in den eroberten Festungen stehen und schickte alleübrigen Truppen seiner Armee nach Frankreich, blieb aber selbst in Ypernund reiste im Februar 1659 nach Paris.

Dieser letzte Feldzug im Kriege zwischen Frankreich und Spanien, sowieauch Turenne's, trug durch die zuletzt erfochtenen Erfolge wesentlich zum Ab-schlüsse des für Frankreich vortheilhaften Pyrenäischen Friedens (Ende 1659)bei, dem ein noch am Anfange dieses Jahres geschlossener Waffenstillstandvoranging; Frankreich erwarb das Elsass, Artois und Roussillon, und hattedies hauptsächlich den geschickten Operationen Turenne's zu verdanken, be-sonders im Jahre 1658, in welchem er die feindliche Armee bei Dünkirchenschlug (die Franzosen nennen diese Schlacht bataille des Dunes) , Dünkirchenund viele andere Festungen eroberte und indem er die feindliche Armee zwang,das Feld zu räumen und sich in Festungen zu verbergen, das ganze Land zwi-schen dem Meere und den Flüssen Yper, Lys und Scheide unterwarf.

Nach dem Friedensschlüsse, bei der Zusammenkunft der Könige vonFrankreich und Spanien, zeigte letzterer auf Turenne und sagte zu seinerSchwester, der Mutter Ludwig's XIV., Anna von Oesterreich: »Dies ist derMann, der mich gezwungen, viele Nächte schlaflos zu verbringen!«, das besteLob für Turenne.

Im Jahre 1660 beförderte Ludwig XIV. in Veranlassung seiner Vermäh-lung Turenne zum General - Marschall der Armee [mareckal general des armees)und sagte zu ihm bei seiner Eidleistung: »Von Ihnen hängt es ab, noch mehrzu erlangen«, d. h. die Würde eines Connetable im FalTe, dass er zurrömisch-katholischen Kirche übertrete. Turenne hatte zwar diese Absichtschon immer gehegt, führte sie aber damals nicht aus, damit es ihm nicht alsEhrgeiz ausgelegt würde, sondern er that diesen Schritt erst später, und zwaraus innerer Ueberzeugung; indessen beschuldigten ihn dennoch Viele des Ehr-geizes. Im Jahre 1666 lehnte er das ihm angetragene Obercommando über