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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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I. Turenne. ] 33

Nieuport (Fuensaldan), Brügge (Don Juan) und Ypern (Prinz de Lignyi ein,indem sie so die ganze Gegend zwischen denselben räumte. Turenne aberverfolgte in eigner Person mit der Reiterei die geschlagene Armee bis Furnes,und dann nach Dünkirchen zurückgekehrt, betrieb er die Belagerung mit ver-doppeltem Eifer, so dass sich am neunten Tage (25. Juui) die Garnison nebstder Festung auf Capitulation ergab; Dünkirchen wurde dem Vertrage gemässden Engländern übergeben. Zwei Tage später capitulirten Bergues und Furnesan Turenne, der nach Dixmuiden marschirte (zwischen den obengenannten vierFestungen), und nachdem er es am 6. Juli genommen, hatte er auf diese Weisedie vier Theile der feindlichen Armee von einander getrennt; er traf Anstalten,sich sogar zwischen Ostende und Nieuport aufzustellen, und hoffte, wenigstenszwei Drittel der Armee Don Juans zu vernichten; aber Mazarin befahl ihm, inFolge der gefährlichen Erkrankung Ludwig's XIV. , die Feindseligkeiten ein-zustellen, was ohne Nutzen viel Zeit raubte.

Die Belagerung Dünkirchens und der in der Nähe der Festung errungeneSieg ist eine der glänzendsten Waffenthaten Turenne's und gereicht ihm zurgrössten Ehre, weil er dabei ungewöhnliche Festigkeit, Beständigkeit und Aus-dauer in Ueberwindung unsäglicher Beschwerden und Hindernisse, Energie,Thätigkeit, Entschlossenheit und Geschicklichkeit im Operiren an den Tag ge-legt und dadurch bewiesen hat, in welchem Grade er die Liebe, Ergebenheitund das Vertrauen seiner Truppen und aller Grade derselben, vom niedrigstenbis zum höchsten, besass, mit einem Worte ganz wie Cäsar unter den Mauernvon Alesia. Dabei ist noch zu berücksichtigen, dass ungemein wenig Hülfs-mittel zu seiner Verfügung gestellt waren, dass er aber alle ohne Ausnahme,die er nur hatte , mit Erfolg ausnutzte, und endlich dass er durch die Intri-guen des Hofes und durch die Nothwendigkeit, alle seine Pläne und Anord-nungen dem Cardinal Mazarin, der ihn beneidete und welcher, ohne Etwas vonMilitärangelegenheiten zu verstehen, sich in Alles hineinmischte, zu unter-breiten, beträchtlich in seinen Handlungen gebunden war. So lud auch nachdes Königs Genesung Mazarin Turenne zu einer Berathung ein, und umdem Marschall La Ferte Gelegenheit zu geben, sieh auszuzeichnen, trug er ihmauf, Gravelines zu belagern, während er Turenne anwies, jenen zu verstärkenund die Belagerung zu decken. Nachdem er La Ferte durch einen Trupp entheil(gegen 1000 Mann) verstärkt hatte, sandte Turenne einen andern Theil zurBeobachtung von Nieuport ab, blieb aber selbst mit der Hauptmacht in derCentralposition bei Dixmuiden. Bald darauf erfuhr er, dass ein feindlichesCorps unter Marsin's Führung aus dem Luxemburgischen an den obern Lys undnach Ypern heranrücke; er stellte sich bei Dünkirchen auf, indem er sich miteiner Kette von Detachements, die in Vertheidigungspositionen aufgestellt waren,umgab, um den Heranmarsch auf Gravelines zu verhindern. In dieser Stellungverblieb er so lange, bis Gravelines, eine starke Festung aber mit unbedeutenderBesatzung, sich dem Marschall La Ferte ergeben, der zur Belagerung dieser