I. Turenne. 131
günstige Wendung für Ludwig XIV. , dass Turenne in die allerschwierigsteLage gerieth. Die hauptsächlichsten Ursachen davon waren folgende : DerMarschall Hocquincourt ging zuConde über und bewog die Garnison der kleinenFestung Hesdin, diese dem Letztern zu übergeben; der Marschall d'Auniontwollte die Festung Ostende überrumpeln, gerieth aber dabei in Gefangenschaft;die Schwester Conde's, die Herzogin von Longueville, reizte die Einwohner derNormandie zum Aufstande gegen Ludwig XIV. ; die Schwäche und der Wankel-muth der französischen Regierung tödteten die Begeisterung im Heere und imVolke; zudem war die Zahl der Truppen nicht bedeutend; schliesslich drangCromwell auf schnellere Eroberung der Festung Dünkirchen und auf dieüeber-gabe derselben an ihn laut Verfrag, indem er im entgegengesetzten Falle mitZurückberufung der englischen Flotte und Truppen drohte. Es war aber un-gemein schwer, Dünkirchen zu erobern, weil die Spanier nach Durchstechungder Dämme die ganze Umgegend bis Bergues und St. Viuox hin unter Wassergesetzt hatten und ausserdem Dünkirchen in der Mitte dreier den Spaniern ge-hörender Festungen: Gravelines, Bergues und Furnes lag. Frankreichs ganzeHoffnung beruhte auf Turenne und seiner schwachen Armee. Was konnteaber Turenne mit ihr. unternehmen ? Ihm blieb weiter nichts übrig, als in sichselbst Hülfe zu suchen und auf alle mögliche Weise sich zu bemühen, die Um-stände so auszunutzen, dass die ganze Sache eine bessere Wendung bekäme.Nachdem er im April einen Theil seiner Armee bei Amiens concentrirt hatte,marschirte er mit 8000 Mann nach St. Venant am Lys, während 3000 Mannden Hof nach Calais begleiteten. Nachdem er auf dem Wege nach Dün-kirchen Cassel erobert, umging Turenne Anfang Mai von der rechten SeiteBergues und unternahm zwischen dieser Stadt und Furnes einen ungemein be-schwerlichen Marsch nach Dünkirchen durch eine überschwemmte Gegend; erfand einen Damm, überschritt ihn mit unsäglicher Mühe, und nur die Liebeseiner Truppen zu ihm konnte es ihm ermöglichen, die der Natur undOertlich-keit, sowie der frühen Jahreszeit nach so ungemein schwere, aber sehr wichtigeBelagerung Düukirchens in Angriff zu nehmen, dessen Besatzung sich auf un-gefähr 2000 Mann Fussvolk und 7—800 Mann Reiterei belief. Don Juan undConde befanden sich mit ihren Heerestheilen noch in Brüssel und hielten es fürausgemacht, dass Turenne zuerst Furnes und Bergues belagern würde; mar-schirten aber nach Dünkirchen, als sie das Gegentheil erfuhren. Hier hatteunterdessen Turenne, mit Hülfe der englischen Truppen und Flotte, welchedie Festung vom Meere aus blokirt hatte, die Belagerung begonnen und sichvon der Landseite durch eine Circumvallationslinie gedeckt. Die unglaub-lichen Mühen und Arbeiten, die Turenne und seine Soldaten dabei auszustehenhatten, erregen unwillkürlich unsere Bewunderung und erinnern an die Be-lagerung vonAlesia durch Julius Cäsar. In der Nacht vom 4. zum 5. Juni er-öffneten die Franzosen die Laufgräben und am siebenten Tage (12. Juni) erfuhrTurenne den Anmarsch Don Juan's und Conde's mit der ganzen feindlichen
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